Maler Consult: Herr Kray, Sie haben schon einige sehenswerte Hausfassaden in Deutschland mit Ihrem auffällig bunten Fassadendesign gestaltet.

Haben Sie das Gefühl, dass es heutzutage mehr Kunden mit „Mut zur Farbe“ gibt?

Oliver Kray: Einerseits glaube ich, dass die Kunden heutzutage auf jeden Fall mehr „Mut zur Farbe“ haben, das bestätigt auch die Anzahl der teilnehmenden Bewerber bei regionalen und überregionalen Fassadenwettbewerben, bei denen zunehmend auch farbliche Gestaltungen eingereicht werden.

Die Initiatoren der Wettbewerbe müssen sogar ihre Kategorien in Form von Sonderpreisen erweitern um der Nachfrage gerecht zu werden.

Auf der anderen Seite denke ich, dass das Bedürfnis der farblichen Gestaltung beim Menschen schon immer vorhanden ist. Es war nur noch nicht so populär wie heute.

Wir alle sind heute selbstbewusster und toleranter geworden, das Resultat ist der ansteigende Drang der Individualisierung und somit auch der Trend zur farblichen Abgrenzung sowie der Mut zu neuen Gestaltungsformen.

Wir leben in einer Gesellschaft voller Ästhetisierung, Mode, Produkte und Werbung.

Zweckmäßigkeit ist selbstverständlich geworden, vielmehr entscheiden wir uns für Stil, Geschmack, Formen und natürlich Farbe.

Maler Consult: Wo und welche Zielgruppe haben Sie für sich erschlossen und wie treten Ihre Kunden an Sie heran?

Oliver Kray: Hauptsächlich sind meine Kunden mittelständische Unternehmen unterschiedlichster Branchen und Wohnungsbaugesellschaften in ganz Deutschland, die durch meine Werke eine Möglichkeit sehen auf sich aufmerksam zu machen oder einfach „nur“ ihre Immobilien aufwerten möchten.

Jedoch habe ich auch Privatkunden, die gern das Besondere bevorzugen.

Momentan gestalte ich sogar ein Einfamilienhaus in Sevilla / Spanien.

Die Anfragen hierfür kommen meist über eigenständige Malerbetriebe, mit denen ich erfolgreich zusammen arbeite, aber auch immer öfters vom Endverbraucher direkt, der meine Arbeiten aus der Presse, Internet oder ihrer Region kennen.

Maler Consult: Wie bewerben und erreichen Sie Ihre potenziellen Kunden?

Oliver Kray: Die beste Werbung ist natürlich die Gestaltung der Fassaden an sich.

Sobald ich in einer Stadt eine Fassade gestaltet habe, werden diese auch gern in der Presse kommuniziert und veröffentlicht, was meist auf positive Resonanz stößt.

Bessere Werbung kann man nicht haben!

Aber ich werbe natürlich auch im Internet mit den klassischen Tools wie z.B. mit Google Adwords, was ich nebenbei auch für jedem Malerbetrieb bestens empfehlen kann.

Maler Consult: Welches Markpotenzial sehen Sie für sich in der Zukunft mit Ihrer Dienstleistung „Exklusive Fassadengestaltung – Kunst am Bau“?

Oliver Kray: Wenn der Trend weiter bei der Individualisierung bleibt, wovon ich ausgehe, sieht meine Zukunft ziemlich bunt aus.

Es gibt allein in Deutschland 137 Städte mit über 50.000 Einwohnern, in denen ich meine bunten Fassadengestaltungen potenziell anbringen kann, abgesehen von den etlichen Unternehmen und Wohnungsbaugesellschaften in den unterschiedlichsten Regionen.

Um diesen Nischenmarkt weiter erfolgreich auszubauen, werde ich daher in naher Zukunft ausgewählten Malerbetrieben die Möglichkeit geben mit mir eine professionelle Zusammenarbeit einzugehen.

Hierbei können sie „exklusiv“ meine Dienstleistungen mit in ihr Leistungsspektrum integrieren und sich zusätzlich noch mit einen Wettbewerbsvorteil positionieren.

Maler Consult: Sehen Sie sich als Künstler oder eher als einen Dienstleister?

Oliver Kray: Ich bin ein ehrgeiziger Künstler und Designer, habe meine eigene Darstellungsform entwickelt und lebe von den zu befriedigenden Bedürfnissen der Menschen. Daher bin ich somit auch gern ein Dienstleister.

 

Vielen Dank für das Interview!

Erfolg mit exklusiver Fassadengestaltung – Kunst am Bau

Oliver Kray
Oliver Kray

Maler Consult: Herr Heilig, Anfang des Jahres waren die ersten Bau- und Ausbau-Messen schon am Start. Haben Sie bei Ihren Besuchen einen Trend für das kommende Jahr ausmachen können? Und welche Trends können von dem Malermeister aufgegriffen und praktiziert werden?

Matthias Heilig: Tapeten sind absolut in. Auf der Heimtextil in Frankfurt waren wieder wunderbare Kollektionen zu sehen. Und die Möbelmesse in Köln inszenierte die kommenden Wohnwelten mit den passenden Tapeten. Es gibt also ein Leben jenseits der weiß gestrichenen Raufaser. Es lohnt sich, das Tapezieren neu zu entdecken! Noch nie waren Oberflächen, Dessinierungen und Strukturen vielfältiger – das gilt auch für die Bodenbeläge, die die Aussteller auf der Domotex und der BAU zeigten. Generell hält die ausgeprägte Farbigkeit an. Die zuletzt reanimierten 70er Jahre mit Retro-Look und die nachfolgende Welle der natürlichen Materialien und Farben gehen eine spannende Verbindung ein.

Wärmedämmung war natürlich das große Thema auf der BAU. Das wird uns noch viele Jahre beschäftigen. Hier bieten sich Malerbetrieben nach wie vor Chancen, mit entsprechenden Angeboten dabei zu sein.

Maler Consult: Ein Trend der sich wohl auch in den nächsten Jahren nach wie vor fortsetzt und sich in der Zukunft weiterhin verstärken wird, sind die „Senioren“. Wie muss sich der Malerbetrieb aufstellen, um diesen Markt bedienen zu können?

Matthias Heilig: Zuerst muss man sich klar machen, welche Senioren man bedienen will – die viel zitierte Generation 50+ oder diejenigen, die bereits im Ruhestand sind. Dann kommt es darauf an, die Bedürfnisse und das Konsumverhalten festzustellen …

Mit diesem Wissen und der Kenntnis der entsprechenden Produkte und Materialien können dann darauf abgestimmte Leistungen angeboten werden, einzeln oder im Paket. Zum Beispiel teilen sich Malerbetriebe und Kunden die Arbeit. Der Kunde schafft selbst Platz und erledigt einfache Vorarbeiten. Oder aber der Maler bietet einen Rundum-Service, räumt aus und hinterher wieder ein und führt eine Endreinigung durch. Eine weitere Möglichkeit ist, die kompletten Baumaßnahmen für barrierefreies Wohnen zu koordinieren und betreuen. Kunden haben dabei nur einen Ansprechpartner. Wichtig ist, die Serviceangebote immer wieder zu überarbeiten und anzupassen, denn Bedürfnisse und Vorlieben ändern sich mit der Zeit.

Maler Consult:
Zuletzt wurde im Allgemeinen davon gesprochen, dass die Baubranche boomt. Begründet wurde dies mit der anstehenden Mwst.-Erhöhung in 2007. Jetzt haben wir den Mwst.-Satz von 19%! Wie sehen Sie die Entwicklung für 2007 und darüber hinaus?

Matthias Heilig: Ich meine, die Mehrwertsteuererhöhung wird die derzeit positive Situation der Baubranche nicht gleich wieder zunichte machen. Wie bisher werden Unternehmen wie Verbraucher mit den Verschlechterungen der Rahmenbedingungen leben müssen – sie können sie ja nicht ändern. Unternehmen müssen sich ihre eigene Konjunktur schaffen, in dem sie z. B. Trends aufgreifen und clevere Leistungsangebote damit machen. Auf der anderen Seite müssen die Betriebe mehr unter kaufmännischen Aspekten geführt werden, damit sie die Kostenseite im Griff haben.

Maler Consult: Für enorm viel Zündstoff haben zuletzt auch die Lieferengpässe von WDVS-Platten gesorgt? Wie kann der Verarbeiter sich bei laufenden Projekten gegen Vertragsstrafen (Verzug) schützen?

Matthias Heilig: Bei laufenden Projekten wird ein Schutz kaum möglich sein. Hier ist von allen Beteiligten Augenmaß, Verantwortungsbewusstsein und soweit als möglich faires Miteinander gefordert. Ansonsten kann Betrieben nur geraten werden, feste, mit einer Datumsangabe versehene Lieferzeiten mit dem Lieferanten zu vereinbaren und zugleich Ausführungszeiten mit dem Bauherren unter den Vorbehalt der rechtzeitigen Materiallieferung zu stellen – was vor allem Dämmstoffe aus Polystyrol und Mineralwolle betrifft. Ein Ausweg kann die Dämmung mit alternativen Dämmstoffen wie Holzfaser oder Schaumglas sein. Einfach mal anbieten!

Maler Consult: Die „Mappe“ hat sich neu aufgestellt. Was hat Sie dazu veranlasst und welche Verbesserungen erwarten den Leser jetzt?

Matthias Heilig: Nach 10 Jahren war es einfach an der Zeit, Veränderungen an der Zeitschrift und ihren Zusatzprodukten vorzunehmen. Lese- und Kommunikationsverhalten haben sich in dieser Zeit geändert, was man übrigens am besten an sich selbst merkt. Wie im Malerhandwerk und jeder anderen Branche auch sollte man sich mit seinem Angebot eindeutig positionieren und vom Wettbewerb unterscheiden. Auf die neue Mappe bezogen heißt das, dass im gesamten redaktionellen Angebot verstärkt Stellung bezogen und Meinung geäußert wird, durch die Redaktion selbst als auch durch Autoren und die Leserschaft. Kritik verstehe ich aber nicht als Selbstzweck, sondern als konstruktive Auseinander­setzung in der Sache zum Nutzen unserer Leser, den Malerunternehmen. Am deutlichsten wird dieses Anliegen in der neuen Rubrik »Mappe Brisant«, die Themen aufgreift, die Maler und die Branche bewegen. Dort sollen sich die Leser ausdrücklich einmischen. Ausgebaut wurde auch die Aspekte der Lesernähe und des Lesernutzens, indem in der Rubrik »Maler unternehmen« Vor-Ort-Reportagen und Berichte über Ideen, Konzepte und Strategien aus der täglichen Berufspraxis der Malerbetriebe gebündelt vorgestellt werden.

Die ganze ist nun in ein neues, aufgelockertes Layout verpackt, um die Informationen leichter fassbar zu machen. Gleichzeitig wurden Titel und Logo einprägsamer gestaltet – Stichwort Markenbildung, was z. B. auch am Relaunch von mappe.de, am neuen Malertaschenbuch sowie an Mappe Mail, dem Newsletter der Mappe, abzulesen ist. Alle diese Maßnahmen tragen dazu bei, dass die Mappe unabhängiger, eigenständig und unverwechselbar ist und den Anspruch an Meinungs- und Qualitäts­führer­schaft unter den Malerzeitschriften erfüllt.

Vielen Dank für das Interview!

Matthias Heilig ist Chefredakteur der Malerzeitschrift Mappe. Er stammt aus einem Malerbetrieb und studierte Chemieingenieurwesen der Fachrichtung Farben, Lacke, Kunststoffe.

Matthias Heilig
Matthias Heilig

Maler Consult: Sehr geehrte Frau Wied, die individuelle Farbberatung erlangt aufgrund ihres Gesundheitsaspektes mehr und mehr an Bedeutung. Welchen Ansatz verfolgen Sie mit HPM Color bei der Farbberatung?

Susanne Wied: Jeder Mensch verfügt über sein individuelles Farbspektrum, sein unverwechselbares eigenes Profil seiner Resonanz auf die ihn umgebende Umwelt.  Das gleiche gilt auch für Teams am Arbeitsplatz. Sie entwickeln vergleichbare Stimmungen und Reaktionen auf ihre Arbeitsumwelt, die wir ganzheitlich  mit dem HPM-COLOR-Test erfassen können. Je besser wir die Wohn oder Arbeitsumgebung auf den Menschen abstimmen umso effizienter können wir zu seiner Gesundheitserhaltung beitragen. Wir berücksichtigen seine persönlichen menschlichen Bedürfnisse unmittelbar durch die Gestaltung.  Die richtige Farbgestaltung der Umgebung (die auch Pflanzen, Licht usw. einbezieht) geschieht hier nicht auf einer psychologisch interpretierenden Basis (sonnengelb macht fröhlich, grün beruhigt, wer zitronengelb wählt ist schizophren…) Der Mensch wird als körperlich-seelisches Ganzes, als „farbiges Energiefeld“ betrachtet, dem bestimmte Farbfrequenzen gut tun und auf das andere Frequenzen eher störend einwirken.  Je besser die Faktoren aufeinander abgestimmt werden, umso besser die Gesunderhaltung.  Farben sind natürlich nicht der einzige Aspekt, ob ein Mensch gesund bleibt oder nicht. Jedoch ist der ungeheure Einfluss unserer zunehmend künstlich geprägten Umwelt auf unser Befinden noch gar nicht ausreichend in den Blick genommen worden.

Maler Consult: Wir wirken sich Farben auf den Organismus des Menschen aus? Wie sind die Gesundheits- oder Wohlfühl-Aspekte definiert?

Susanne Wied: Wir sollten unterscheiden: 1. die schon eben erwähnten Einflüsse auf das Energiefeld, also aktivierend, beruhigend, harmonisierend, störend, belebend usw. Das reduziert Dis-Stress  oder provoziert sog. Eu-stress (der uns gut tut und lebendig erhält) und  trägt somit zu einer regen Stoffwechsellage bei. Vergessen Sie nicht, auch Pflanzen, Eiweiße, Fleisch, alles hat seine Farbfrequenzen (genauer physikalischen Frequenzen an Eigenenergie), die mit unserem Organismus, also auch über die Nahrung in Wechselwirkung treten. 2. Die Farbinformationen unserer Umgebung werden alle über unser limbisches System (Ein Verarbeitungszentrum im Gehirn) auf ihre emotionale Bedeutsamkeit gecheckt. Das geschieht blitzschnell und völlig unbewusst. Wir fühlen uns also wohl oder unwohl weil wir neben unserer genetischen Grundausstattung irgendwann in unserer Entwicklung von frühester Kindheit an positive oder negative Gefühle zu bestimmten Farben gelernt haben. Beispiel: Der rote Pullover von Mama war immer so schön kuschelig. Dann speichern wir rot zusammen mit kuschelig als positiven Reiz im limbischen System ab. Und schon lächeln wir, wenn wir dieser Farbe begegnen. Wenn dann noch die gleiche Kuschelwolle dazu kommt, ist uns die Trägerin schon sympathisch obwohl wir gar nicht wissen, warum.  Gesundheit ist nicht nur im Sinne der WHO Abwesenheit von Krankheit (bio-psych-sozial). Sie ist auch Wohlbefinden ggf. inmitten einer chronischen Erkrankung, weil z.B. die Umgebung farbig stimmt, weil die Nahrung in ihren Frequenzen optimal ist. Wir sind im sinne der gängigen Definitionen nie ganz gesund (im Sinne der WHO) und nie ganz krank.  Immer können wir etwas zum Wohlbefinden von Menschen beitragen. Und dieses Wohlbefinden ist der wichtigste Faktor auch für die „objektive“ Gesundheit, die Verhütung von Krankheiten und ihrer Überwindung.

Maler Consult: Sie bieten einen so genannten HPM-COLOR Test an. Was sind die Kernbestandteile des Testes und wie ist dieser in der Praxis anzuwenden?

Susanne Wied: HPM-COLOR®  ist benannt nach seinem Entwickler Hans Peter Maier, der sich mittlerweile zur Ruhe gesetzt hat und dessen Werk ich die Freude habe, weiter zu führen und weiter zu entwickeln.  Er besteht aus einer exakt vermessenen Testmappe mit Schablonen zur Ermittlung der Farbvorlieben.  Für die Auswertung steht eine komplexe Software zur Verfügung. Testaufnahme und Eingabe in den Computer sind sehr einfach. Für eine sachgerechte Anwendung, die auch die Kunden zufrieden stellt, bieten wir Schulungen an. In der Praxis wertet man gewöhnlich vier bis fünf der (dreißig möglichen) Ergebnisblätter aus und wendet die Farbvorschläge zur gestalterischen Umsetzung beim Kunden an. Es gibt keine schematischen Vorgaben. Jeder Maler wendet den Test in Kombination mit seinem eigenen bereits reich vorhandenen Fachwissen an. In der Schulung wird er dabei von mir und meinen Kollegen unterstützt. Wir haben den Test in Zusammenarbeit mit Neurologen und Psychologen klinisch geprüft. Die getesteten Personen haben ihr Wahlverhalten beibehalten und nicht gleich am nächsten Tag geändert. Sie können also davon ausgehen, dass der Test im Ergebnis stimmt und müssen sich nicht sehr intensiv mit seiner Theorie befassen. Diese ist sehr tiefgehend und wird bei persönlichem Interesse in weitergehenden Seminaren auch gern vermittelt.  Das HPMCOLOR®-Modell basiert auf Analogien und der Integration von Goethescher Farbenlehre, dem uralten I-Ging (einer chinesischen Weisheitslehre aus der auch die Akupunktur hervorging), und modernsten Erkenntnissen in Biophysik und Naturwissenschaft. Mit Rücksicht auf Ihre Belastung im Arbeitsalltag beschränkt sich die Einführungsschulung auf die Vermittlung direkt für die Praxis relevanter Aspekte des HPM-Systems.

Maler Consult: Welche Vorteile sehen Sie für den Malermeister, der die Farbberatung nach HPM-COLOR in seinem Betrieb kultiviert und offensiv seine Kundenberatung danach ausrichtet?

Susanne Wied: Der große Vorteil – und das ist einzigartig am HPM-COLOR® Test – liegt in seiner Objektivität bei gleichzeitiger Ausrichtung auf die Individualität des Kunden. Sie beraten den Kunden also nicht mit Ihren eigenen Farbvorlieben oder dem, was Sie irgendwann gelernt haben, wie Farben allgemein psychologisch zu wirken hätten, sondern ermitteln objektiv die Farbbedürfnisse des Kunden (auch die unbewussten). Der Vorteil ist, dass Sie Kundenorientiert arbeiten und damit zu dessen Zufriedenheit beitragen. Bessere Werbung als Kunden, die sich gut betreut fühlen, gibt es nicht für ein Unternehmen.

Maler Consult: Es gibt bereits einige Anbieter mit ähnlicher Intention. Wie schätzen Sie andere Farbberatungsansätze ein?

Susanne Wied: Grundsätzlich schätze ich jeden der mir bekannten Farbberatungsansätze positiv ein. Allerdings ist der Zusammenhang zu beachten. Lüscher- und Frielingtest richten sich eigentlich an Psychologen und machen Aussagen zur Persönlichkeit der Testperson, die nicht am Individuum sondern einer angenommenen allgemeingültigen Symbolik orientiert sind. Nehmen Sie z.B.  die Farbe lila: Für die einen Menschen Symbol höchster Spiritualität, die anderen „Frauenbewegung“, „Kirchentag“ und ansonsten der „letzte Versuch“ frustrierter älterer Damen. Was jetzt für diese getestete Person zutrifft, können Sie ohne psychologische Ausbildung nur schwer ermitteln.  HPM-COLOR verzichtet auf diese Einordnung und koppelt wertneutral die Farben individuell an die Person oder Gruppe, egal ob Kirche oder Frauenzentrum… Der Test wurde von Anfang an für den Gestaltungsbereich und! im Zusammenhang mit qualifizierter Lebensberatung entwickelt. Er kann aber einfach in der Praxis abgestuft verwendet werden. Denn der Kunde will von Ihnen zumindest anfänglich keine psychologische Beratung, er möchte eine Farbgestaltungsberatung, die Sie ihm offensiv auch als gesundheitsfördernd offerieren können, ohne selbst Ihre Kompetenz zu überschreiten. Damit bleiben Sie klar und im Rahmen Ihres Auftrages.  Eine weitere Richtung ist das Feng Shui. Hier arbeiten wir eng mit ausgebildeten Beratern zusammen.  Die Raumvorschläge sind sehr beachtenswert, die Farbvorschläge sind aus begründbarem Anlass teilweise anders bei HPM-COLOR. Beachten Sie hier die uneinheitlichen Schulen, die völlig anderen Philosophien und den sehr unterschiedlichen Ausbildungsstand der Anbieter. Feng-Shui ist nicht gleich Feng Shui. Und nur weil etwas asiatisch und exotisch ist, ist es nicht gleich richtiger als unsere gute alte und sehr aktuelle Goethesche Farbenlehre, die als Teilaspekt von modernen Farbkonzepten ihren festen Platz einnimmt.  Zusammenfassend hat also jede Richtung in der Farbberatung ihre Berechtigung im jeweiligen Kontext.

 

Vielen Dank für das Interview

1956 geboren, verheiratet, zwei erwachsene Kinder.

Diplomstudien der Psychologie, Germanistik und Pflegewissenschaft.

Wissenschaftliche Aufbereitung der Brauchbarkeit von Farbtheorien und -therapien mit Blick auf humane Lebens- und Umfeldgestaltung.

Konzepte zu Farbe-Raum- Gesundheit.

Farbexpertin, Lehrbeauftragte, Organisationsentwicklerin, Fachbuchautorin (u.a. Farbenräume, Huber 2000. Fachlexikon Pschyrembel Pflege, 2. Auflage Frühjahr 2007)

Mitglied DFZ und International Light-Alliance

Weiterführung der Arbeit von und mit Hans Peter Maier.

Website: www.hpm-color.de

Susanne Wied
Susanne Wied

Maler Consult: Herr Schilling, seit der Neuauflage der VOB 2006 gibt es auch zu den Abrechnungsvorschriften im Malerhandwerk wesentliche Veränderungen. In der Neufassung Ihres Buches „Abrechnung und Aufmaß“ was kürzlich erschienen ist, ist alles im Detail beschrieben. Welche wesentlichsten Änderungen können Sie uns hier in Kürze benennen?

Eberhard Schilling: Zunächst muss daran erinnert werden, dass bereits im Januar 2005 die ATV DIN 18340 „Trockenbauarbeiten“ und die ATV DIN 18345 „Wärmedämm-Verbundsysteme“ neu in die VOB aufgenommen wurden. Beide DIN-Vorschriften sind natürlich für das Malerhandwerk von Bedeutung. Gleichzeitig wurde die DIN 18350 „Putz- und Stuckarbeiten“ grundlegend überarbeitet. Dies konnte nicht ohne Auswirkungen für die DIN 18363 „Maler- und Lackierarbeiten – Beschichtungen“ bleiben. Eine wichtige neue Regelung, die nun in allen genannten Vorschriften enthalten ist, betrifft die Abrechung von Leibungen.

Bisher war eine Abrechnung von Leibungen nur bei Öffnungen und Nischen über 2,5 m² möglich. Nach der neuen Regelung dürfen nun alle bearbeiteten Leibungen gesondert gerechnet werden. Sieht das Leistungsverzeichnis selbständige Positionen für Leibungen vor, sind diese nach Längenmaß abzurechnen. Die Breite der Leibung spielt dann keine Rolle. Sind keine eigenen Positionen für Leibungen vorhanden, können diese wie bisher auch nach Flächenmaß abgerechnet werden.

Eine zweite wichtige Änderung betrifft die Abrechnung aus Bauplänen. Die neue DIN 18363 und die neue DIN 18366 regeln jeweils im Abschnitt 5.1.1, dass grundsätzlich nur mit dem Maß der behandelten Fläche abgerechnet werden darf. Die bisherige Unterscheidung in eine Leistungsermittlung nach Zeichnung und nach Aufmaß (vor Ort) entfällt. Es gelten die Maße des fertigen Bauteils und der fertigen Aussparung. Dort wo Baupläne die Grundlage für die Abrechnung bilden, ist aus den Rohbaumaßen unter Berücksichtigung von Estrichhöhen und Putzstärken das tatsächliche Maß zu ermitteln. Das ist allerdings praxisuntauglich, weil sich kein Mensch die Mühe macht, die Planmaße im Innenbereich um die Putzstärke zu reduzieren. Im Zweifel sollte mit dem Auftraggeber im Voraus vereinbart werden, dass die Maße aus der Bauzeichnung ohne Berücksichtigung von Putzstärken übernommen werden dürfen. Eine Berücksichtigung des Estrichs bei der Raumhöhe ist wird sich jedoch durchsetzen.

Maler Consult: Wie sehen Sie die Änderungen aus Sicht des Malerbetriebes. Sind die neuen Regelungen eher ein Vorteil oder eher ein Nachteil? Können Sie dies evtl. auch in einem Prozentsatz benennen?

Eberhard Schilling: Wie bei vielen Neuregelungen gibt es sowohl Vorteile als auch Nachteile. Die Abrechnung aller bearbeiteten Leibungen ist natürlich vorteilhaft, vor allem dann wenn die Abrechnung nach Längenmaß möglich ist. Für all diejenigen, die im Neubaubereich tätig sind und vorwiegend aus Zeichnungen aufgemessen haben, ist die Abrechnung nach Fertigmaß ein erheblicher Nachteil, der  zu Masseverlusten von mehr als 5 % führen kann. Alle anderen Änderungen haben nur geringfügigen Auswirkungen gegenüber der bisherigen Regelung. Vorteile können sich bei der Fassadenabrechnung ergeben, weil nun Gesimse, Lisenen, Eckverbände, Umrahmungen und Faschen beim Ermitteln der Fläche grundsätzlich übermessen werden und zwar unabhängig von der damit verbundenen „Aussparung“.

Maler Consult: Ab wann haben diese Regeln Gültigkeit? Insbesondere im Hinblick auf bereits laufende Bauvorhaben. Gibt es Stichtage oder ähnliches, was zu beachten wäre?

Eberhard Schilling: Wann die öffentlichen Auftraggeber die neue VOB anzuwenden haben wird durch entsprechende Verwaltungsvorschriften geregelt. Stichtag für den Bund und die meisten Bundesländer war der 1. November 2006. Welche Fassung bei Privatpersonen gilt, ergibt sich aus der vertraglichen Vereinbarung. Dies wird normalerweise die von den Verwaltungsbehörden eingeführte Fassung zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses sein. Für alle nach diesem Stichtag abgeschlossenen VOB-Verträge sind also i.d.R. auch die neuen Aufmassvorschriften anzuwenden.

Maler Consult: Ist Ihnen ein Seminarangebot bekannt, wo die Veränderungen der Abrechnungsvorschriften im Malerhandwerk geschult werden können? Welches Seminar können Sie empfehlen?

Eberhard Schilling: Seminare zu Abrechnung und Aufmaß bietet die Akademie des Maler- und Lackiererhandwerks an (www.akademie-maler.de). Daneben gibt es Seminare der einzelnen Landesverbände. Und selbstverständlich werden alle unsere angehenden Malermeister an der Stuttgarter Schule stets mit den neuesten Abrechnungsvorschriften konfrontiert.

Maler Consult: Wo kann der Interessierte Ihr Buch bestellen, oder gibt es vielleicht auch die  Möglichkeiten eines „Downloads“?

Eberhard Schilling: Mein Buch zu Abrechnung und Aufmaß ist bei der DVA (ISBN 978-3-421-03608-7) erschienen und in jeder Buchhandlung erhältlich. Bestellungen per Fax oder online sind beispielsweise beim Malerblatt Medienservice (www.malerblatt-medienservice.de) möglich.

 

Vielen Dank für das Interview!

Geboren 1954. Studium der Betriebswirtschaft in Nürtingen und Tübingen. Seit 1983 Lehrtätigkeit an der Schule für Farbe und Gestaltung in Stuttgart; dort zuständig für die Maler-Fachschulen. Zahlreiche Fachartikel in den Bereichen Abrechnung, VOB, Marketing und Controlling. Autor der Bücher Abrechnung und Aufmaß sowie Auftragsabwicklung.

Eberhard Schilling
Eberhard Schilling

Maler Consult: Herr Germroth, Sie sind seit 25 Jahren Berater beim Institut für Betriebsberatung des deutschen Maler- und Lackiererhandwerks, hiervon seit 15 Jahren als Leiter, tätig. Was ist die Aufgabe des Institutes?

Martin Germroth: Nun, die Aufgaben des Instituts sind in § 2 unserer Satzung geregelt. In „Amtsdeutsch“ ausgedrückt haben wir danach die Aufgabe, die Betriebswirtschaftslehre im Maler- und Lackiererhandwerk fördern, die Ergebnisse in Wort und Schrift verbreiten und für Wissenschaft, Unterricht und Praxis nutzbar zu machen und vor allem regelmäßig Betriebsvergleiche im Maler- und Lackiererhandwerk durchzuführen und die Betriebe auf betriebswirtschaftlichem Gebiet zu beraten.

Das heißt, das Institut liefert das entsprechende Grundlagen- und Informationsmaterial, was der Verbesserung der betrieblichen Existenz- und Leistungsfähigkeit dient.

Das klingt zunächst einmal – gerade auch in Verbindung mit dem Namen „Institut“ sehr hochwissenschaftlich und in der Struktur sehr starr, ist aber am Ende absolut praxisbezogen.

Wir liefern nämlich keine theoretischen Ansätze, sondern gehen in die Betriebe hinein. Die Lösungen – egal ob für einen Groß- oder Kleinbetrieb – sind überwiegend maßgeschneidert, sprich: direkt und kurzfristig umsetzbar. Am Ende stärken wir die Betriebe durch Stärkung der Mitarbeiter. Und die erhalten genau dort Hilfe, wo sie notwendig ist: beim richtigen Know-how.

Dass nur dieser Weg der Richtige sein kann, zeigt unser Erfolg, denn es gibt im gesamten deutschen Handwerk zunächst einmal keine vergleichbare Institution. Und darüber hinaus können wir 2006 auch noch auf 50 Jahre erfolgreiche Arbeit zurückblicken.

Die Praxis zeigt uns auch, dass in fast jedem Unternehmen Abläufe im Argen liegen und dadurch Kosten verursacht werden. Das Rationalisierungspotenzial ist meist groß. Natürlich ist eine Betriebsoptimierung über Nacht nicht möglich. Meist muss nicht ein „großes“ und meist auch offensichtliches Problem gelöst werden, sondern eine Palette kleinerer Schwierigkeiten. Letztlich ist z. B. jede Produktivitätssteigerung das Ergebnis „einer Summe von Kleinigkeiten“.

Ziel und Inhalt unserer Tätigkeit ist, zusammen mit dem Betrieb die Instrumente zu erarbeiten, mit denen anstehende Änderungen in Angriff genommen werden können. Wir verstehen uns also im Grunde als „Gelbe Engel der Betriebswirtschaft“, die bei den notwendigen Reparaturen helfen; fahren müssen die Unternehmer dann aber selbst …

Maler Consult: Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit ein Malerbetrieb Ihre Dienstleistungen in Anspruch nehmen kann? Ist eine Mitgliedschaft, Premium-Mitgliedschaft oder dergleichen erforderlich?

Martin Germroth: Grundlegende Voraussetzung, um sich unserem Unternehmerkreis anzuschließen, ist zunächst einmal, dass der Betrieb der Berufsorganisation angeschlossen ist, d.h. er muss Mitglied in einer Innung oder Direktmitglied in einem Landesverband sein.

Dann fahren wir im Grunde genommen zweigleisig. Jeder Betrieb, der bei uns Mitglied ist, ist automatisch Premium-Mitglied und kann unsere Leistungen uneingeschränkt in Anspruch nehmen. Dafür zahlt er pro Jahr einen Jahresbeitrag, der sich nach der Jahresbruttolohnsumme der gewerblichen Mitarbeiter richtet. In der niedrigsten Stufe sind das 250 Euro, in der höchsten Staffel 790 Euro pro Jahr für den Gesamtbetrieb.

Im Monat sind das also rund 21 Euro bis maximal 66 Euro. Dafür stehen dem Betrieb dann kompetente Kenner der Branche zur Verfügung – und zwar an sieben Tagen in der Woche und 24 Stunden am Tag.

Wer an einer Mitgliedschaft interessiert ist, kann sich über unsere Webseite www.malerinstitut.de unter „Organisation“ informieren. Dort findet er z. B. auch alle bereits angeschlossen Unternehmen, gegliedert nach Bundesländern.

Maler Consult: Einer Ihrer Aufgaben ist die jährliche Erstellung der Betriebsvergleiche im Maler- und Lackiererhandwerk. Wie sieht die Betriebsstruktur des erfolgreich aufgestellten Malerbetriebes aus? Gibt es Tendenzen? Bzw. ist es überhaupt möglich den Erfolg an einer Betriebsstruktur ausmachen.

Martin Germroth: Wir alle wissen, wie schwierig die Zeiten für das Bau- und Baunebengewerbe sind. Betroffen hiervon ist auch das Maler- und Lackiererhandwerk. Unsere Branche lebt im Spannungsfeld zwischen mangelnden Neubauaktivitäten und dem Sanierungsstau bei Altbauten – schrecklich aufgezeigt durch das Unglück in Bad Reichenhall. Mit diesen Marktgegebenheiten müssen alle Betriebe gleichermaßen fertig werden.

Hinzu kommen illegale Beschäftigte, staatlich geförderte Schwarzarbeiter, den etwas anderes sind Ich-AG’ler für mich nicht sowie Dienstleister aus den MOE-Staaten, die für ca. 20 Euro/Std. Malerarbeiten durchführen.

Das große Problem für unsere Branche sind mit fast 60 % der Gesamtkosten die Lohnkosten. Wir arbeiten lohnintensiv und konsumnah. Jeder Anstieg von Löhnen und lohngebundenen Abgaben, von denen übrigens der Gesetzgeber für ca. 70 % (!) verantwortlich ist – und nicht zu vergessen, der MwSt., – führt zu einer Stärkung aller anderen Bereiche, wie Schattenwirtschaft, nur nicht zu einer Unterstützung des legalen Arbeitsmarkts.

Der Anstieg der Löhne und lohnbezogenen Abgaben betrug in den letzten 22 Jahren 120 % und führte dazu, dass ein Malergeselle heute über fünf Stunden arbeiten muss, um eine Handwerkerstunde bezahlen zu können, wenn er sie selbst kaufen würde.

Betrachtet man die 205 bis 255 Mrd. Euro Wertschöpfung am schwarzen Markt – das entspricht ca. 4 Mio. Arbeitsplätzen – so wird deutlich, dass Arbeit da ist, aber diese ist eben nicht mehr bezahlbar!

Damit ist der Anteil der Arbeitslosen ein Maßstab dafür, wie weit unser Arbeitsmarkt außer Funktion gesetzt wurde. Nicht Arbeitgeber schaffen keine Arbeitsplätze, sondern der Kunde ist nicht bereit, den Faktor Arbeit zu bezahlen. Und für den Unternehmer gilt das einfache Marktgesetz „Es muss mehr übrig bleiben als es kostet“.

Dass der Markt die Lohnstückkosten nicht mehr bezahlen will, zeigen die Ergebnisse unserer Betriebsvergleiche. Wir haben im Jahr 2003 mit -0,7 % erstmals ein negatives Betriebsergebnis in unserer Branche. Hierbei fahren gerade Kleinbetriebe mit bis zu sechs Beschäftigten einen Verlust von bis zu -15 % der Umsatzleistung ein. Größeren Betrieben, also ab elf Beschäftigten, geht es hier mit ca. zwei Prozent noch relativ gut.

Auch die Insolvenzzahlen bestätigen das schlechte Abschneiden der Kleinbetriebe. Was bezahlt denn der Markt? Nun, nach unseren Werten ist der Markt heute bereit, im Schnitt 38,45 Euro/Std. zu zahlen. Dem stehen aber 41,58 Euro/Std. an effektiven betrieblichen Kosten gegenüber

Wer hier Marktpreise als Datum akzeptiert, macht nicht nur ein denkbar schlechtes Geschäft, sondern treibt mittelfristig seinen Betrieb in den Ruin.

Es geht halt nicht lange gut, dass der Mitarbeiter im Mittel 12,92 Euro/Std. verdient, der Unternehmer aber von seinem Kunden nur 10,43 Euro/Std. holen kann. Das heißt, entweder sind die Löhne in unserer Branche um 24 % zu hoch oder die Produktivität ist im gleichen Maß zu niedrig.

Fakt ist: Der Markt bezahlt die Kosten der Betriebe nicht mehr. Wer sich also auf einen Preiskampf mit Kollegen ohne Kostenkenntnisse einlässt, hat schon verloren.

Er hat zwar Arbeit, aber keine Kostendeckung. Frei nach dem Motto: „Wer immer ja sagt, macht Umsatz, wer auch nein sagen kann, macht Gewinn“.

Und genau hier unterscheiden sich erfolgreiche Unternehmer. Solche Unternehmer bieten nämlich mehr als nur einen Preis.

Erfolgreiche Unternehmer definieren sich als kostenbewusster Problemlöser. Sie wissen, wer nur Preise bietet, hat sonst nichts zu bieten. Und das ist leider oft das Dilemma der Kleinbetriebe. Sehr oft findet hier Blindflug im Nebel statt.

Es wird weder ein Kostenpreis kalkuliert noch eine Liquiditätsvorschau erstellt. Neben ruinösen Marktpreisen haben sie einen völlig unzureichenden Kapitalumschlag und der wichtige Produktionsfaktor Kapital wird über die Bankkonten gesteuert.

Steigt dann der Wettbewerbsdruck, fehlt oft eine realistische Einschätzung der betriebswirtschaftlichen Situation, von fundierten Informationen über kostenwirtschaftliche Auswirkungen des betrieblichen Geschehns ganz zu schweigen. Auf Umsatzrückgang dann mit Preissenkungen zu reagieren, ist nun mal die schlechteste Möglichkeit.

Auch sollte klar sein, dass der Chef im Regelfall bei bis zu zehn Beschäftigten wenigstens teilweise produktiv mitarbeiten muss.

Grundsätzlich kann ich sagen: Die Entwicklung der Malerbetriebe verläuft nicht nach konstanten, linearen Gesetzmäßigkeiten. Es gibt Phasen des Auf- und Abschwungs, die sich im Nachhinein in den jeweiligen Jahresrechnungen und damit auch in unseren Betriebsvergleichen erkennen lassen.

So trägt jede Veränderung – auch die positive – den Kern einer möglichen Krise in sich. Für das Resultat entscheidend ist, wann Chancen und Gefahren erkannt werden und wie darauf reagiert wurde. Dies gilt für alle Betriebe gleichermaßen.

Die unternehmernehmensinternen Ursachen von Veränderungen sind im Klein- und Mittelbetrieb jedoch sehr stark mit der prägenden Person des Eigentümers verbunden.

Derselbe Unternehmer, der in der einen Phase überlegen und entschlossen führt, kann in der nächsten Phase mit neuen Problemen konfrontiert, heillos überfordert sein.

Und hier haben kleine Betriebe echte Nachteile. Oft fehlt es dem Unternehmer an der notwendigen Distanz zum Tagesgeschäft, am kritischen Gesprächs- bzw. Geschäftspartner oder am Spezialwissen. So werden Risiken, die größere Unternehmen eingehen können, für kleine Betriebe zu existenzbedrohenden Problemen.

Der erfolgreiche Unternehmer ist Motivator, Kostenkiller, Problemlöser und hat neben seiner Interaktionsqualität die Fähigkeit, in Netzwerken zu denken und zu handeln.

Solche Unternehmer verlassen frühzeitig gesättigte Marktbereiche, steuern über ein Lean-Controlling mit Teilkosten- und Deckungsbeitragsrechnung, sorgen für einen gesunden Mittelbau und kümmern sich professionell um Personalführung und -politik – um das sog. Humankapital – ein fürchterlicher Ausdruck für Menschen.

Und ganz wichtig: Sie erkennen den Handlungsbedarf bereits in der strategischen Krise des Unternehmens und warten nicht auf die Ergebniskrise oder – noch schlimmer – auf die Liquiditätskrise.

Zur betriebswirtschaftlichen Umsetzung holen sie sich frühzeitig externe kompetente Fachleute, wie z. B. uns vom Institut.

Erfolgreiche Unternehmer kennen ihren Kostenpreis, sie wissen, wie viel Kapazitätsstunden sie mindestens verkaufen müssen, um in die Gewinnzone zu gelangen und ihnen ist klar, dass nur 50 % der Aufträge Kostendeckung bringen, 30 % sogar mit Verlust und nur 20 % mit Gewinn abschließen.

Um hier noch erfolgreich zu bleiben, behalten sie ihre Kosten im Griff, sichern die Produktivität und schaffen Kundenpräferenzen. Für sie steht im Vordergrund, dass sie sich weder in die Gefangenschaft einer speziellen Kunden- noch Mitarbeitergruppe begeben.

Präsentationgrafiken zum Thema

Maler Consult: Lassen sie uns einen Blick in die Zukunft wagen. Wie ist der erfolgreiche Malerbetrieb mit Augenmerk auf die strukturelle und konjunkturelle Veränderungen in den nächsten 15-20 Jahren aufgestellt, wenn man die Werte Auftragsstruktur, Betriebsgröße und Mitarbeiteranzahl heran zieht?

Martin Germroth: Der Kalkulationsaufbau Kosten plus Wagnis und Gewinn ist gleich Preis funktioniert heute schon nicht mehr und wird in Zukunft noch weniger funktionieren. Schon heute und auch morgen gilt: Preis minus Kosten ist gleich Erfolg. Die Wertschöpfungszeiten gibt der Kunde damit über den Preis vor.

Es wird auch zukünftig am Unternehmen liegen, über eine rationelle Betriebsführung mit perfekter Arbeitsvorbereitung und -steuerung Zeitverluste zu vermeiden. Anwesenheitsstunden müssen in Wertschöpfungsstunden umgewandelt werden. So kann die Wirtschaftlichkeit durch den Einsatz von intelligenten Arbeitszeitmodellen bereits heute um bis zu vier Prozent gesteigert werden. Von einer möglichen ganzjährigen Beschäftigung der Mitarbeiter gar nicht zu reden.

Ein Unternehmen wird nur dann auf Dauer bestehen, wenn eine Konsolidierung gelingt, das heißt, Durchlauf- und Prozesszeiten bei verbesserter Qualität und gleichzeitiger Kostenreduzierung zu erreichen. Am ende müssen also die Leistungen am Markt mit den betrieblichen Kapazitäten quantitativ und qualitativ in der Weise abgestimmt werden, dass die Unternehmensziele erreicht werden können.

Dies schließt neben der Umsatzplanung, der Planung des Leistungsangebots, der Kapazitäts- und Kostenplanung auch eine differenzierte Finanzplanung ein.

Neben der Ausrichtung auf zahlungskräftige Kunden – man denke hier z. B. an die Generation 45+ – schreit der Markt schon heute nach ganzheitlichen Leistungsangeboten.

Der Malerbetrieb der Zukunft ist netzwerkfähig und in Teilbereichen eingebunden in leistungsstarke Kooperationen mit anderen Spezialisten des Handwerks, wie z. B. Fliesenleger, Elektriker, Schreiner etc..

Wir werden in den nächsten 20 Jahren sicher nicht die europäische Angleichung der Lebensgewohnheiten, des Standards und der Löhne erleben. Dies wird die Betriebe dazu zwingen, über Grenzkostenrechnungen den betrieblichen Kostenpreis zu optimieren, die geforderten Leistungen dem Mitarbeiter durch paketieren optimal vorzubereiten und seine Wertschöpfung zu messen, sprich eine begleitende Teilkostennachkalkulation durchzuführen.

Wertschöpfende Tätigkeit muss im richtigen Verhältnis zum Lohngefüge stehen, das heißt, Prämienlohn und Leistungsanreize gewinnen an Bedeutung.

Die Betriebe werden über kleinere Kernbelegschaften mit hoher Qualifikation, Motivation, Interaktionsqualität und sozialer Kompetenz verfügen. Diese Leader-Gesellen oder auch Master-Gesellen werden verstärkt wertschöpfenden Tätigkeiten nachgehen, wobei ihnen Hilfskräfte beigestellt werden.

Dies hat zur Folge, dass neben der Produktivitätssteigerung der eigenen Mitarbeiter auch verstärkt auf Leiharbeiter bzw. Nachunternehmer zurückgegriffen wird.

Bei immer austauschbareren Produktiven wird der Malerbetrieb als perfekter Problemlöser für seine Zielgruppe auftreten können und durch seine lockere Einbindung in Handwerker-Kooperationen unter einem gemeinsamen Meisterdach den Innungsfachbetrieben den Qualitätsansprüchen der Zukunft gerecht werden können.

Nur so kann er der Kostenpresse ausweichen, die sich lediglich über den Preis definiert, und Alleinstellungsmerkmale, die ihn für den Kunden zur Marke und damit schwer vergleichbar machen, aufbauen.

Zum Schluss erlauben Sie mir gerade beim Blick in die Zukunft eine Anmerkung: Wie so oft, wenn man im tiefen Gewässer ums Überleben kämpft, geht der Blick zum Ufer. Und viele Unternehmer schauen genauso voller Neugier und Hoffnung in die Zukunft „Was bringt sie?“ Und dabei vergessen sie ganz, dass dies gar nicht ihre Zukunft ist. Wir alle können nicht auf eine zweite Zukunft warten. Wir haben nur diese Eine im Jetzt.

Daher mein Rat: Wenn Sie schon auf eine bessere Zukunft warten, dann fangen Sie schon einmal an, die Zukunft zu gestalten während Sie warten. Nur so gibt es eine gute Zukunft für Sie und die Gefahr, die eigene Zukunft während der Wartezeit zu verschlafen, wird reduziert.

Maler Consult: Sie haben die Weichen für die nächsten Jahre schon gestellt und sind unter www.malerinstitut.deauch im Internet präsent. Welche Online-Dienstleistungen bieten Sie dem Interessierten und sind weiter in Planung und wenn ja, welche?

Martin Germroth: Wer unsere Internetseite besucht, findet gleich auf der Startseite täglich eine neue Fachinformation, ob zum Thema Arbeitsrecht, Baurecht/VOB, Vertragsrecht etc. So selektieren wir für unsere Betriebe die Flut von Informationen vor und halten sie immer „auf dem Laufenden“.

Daneben steht ein Streitpunktforum zur Verfügung, an dem sich jeder Betrieb aktiv beteiligen kann. Auch hier werden – je nach Aktualität – weitere Artikel und Infos eingestellt. Auf einer weiteren Informationsschiene gibt es noch einen wöchentlichen Newsletter mit sechs Beiträgen.

Bewährt hat sich auch unsere Sammlung von „Top-Links“. Ob ein Betrieb einen Software-Anbieter, ein Ministerium oder einen Anwalt sucht, in den einzelnen Rubriken kann er über die entsprechenden Links recherchieren. Und wir sind dabei für jede Anregung dankbar, denn das Angebot gerade im Internet wächst ja von Tag zu Tag.

Für unsere Mitgliedsbetriebe steht außerdem ein großer geschützter Bereich zur Verfügung. Darin werden die Rundschreiben hinterlegt und umfangreiche Arbeitsmaterialien, die der Betrieb praktisch nutzen kann.

Dieses gesamte Internet-Angebot wird ständig erweitert. So z. B. im Bereich der Darstellung unserer Broschüren, wie Planwerte, Betriebsvergleiche, EFB-Preis, Gerätekosten, Entgeltfortzahlung, Mengenmehrung und -minderung nach VOB etc.

Auch über unser Seminarangebot finden sich viele Informationen. In diesem Jahr führen wir bspw. Seminare zu den Themen Arbeitsrecht, Betriebsprüfung, Unternehmensnachfolge und Rating durch.

Und hier denken wir auch bereits über eine Innovation nach: Es zeigt sich immer wieder, dass viele Unternehmer, ob schon lange im Geschäft oder erst kurz, nicht hundertprozentig in der Lage sind, ihren Gemeinkostensatz oder ihren betrieblichen Kostenpreis zu berechnen. Da wollen wir ansetzen und E-Learning-Seminare anbieten. So kann sich jeder zu Hause an seinen PC setzen und das Material Stück für Stück in Ruhe durcharbeiten. Während des Kurses wird er dann von uns begleitet.

Letztlich zeigt unser ganzes Leistungsspektrum, dass wir uns auch als Informationsplattform verstehen, an der jeder interessierte Unternehmer teilhaben kann.

 

Vielen Dank für das Interview!

Dipl.-BauIng., Dipl.-Wirt.-Ing. Martin Germroth

Dipl.-BauIng., Dipl.-Wirt.-Ing. Martin Germroth, ist seit fast 25 Jahren als Berater im Institut für Betriebsberatung des deutschen Maler- und Lackiererhandwerks, hiervon seit 15 Jahren als Leiter, tätig.

Eine Vielzahl von Vorträgen, Seminaren, Publikationen und Hunderte von Betriebsbegehungen sowie die jährliche Erstellung von Betriebsvergleichen für das Maler- und Fahrzeuglackiererhandwerk stehen für seine tiefe Kenntnis dieser Branche.

Geschäftsführer Bioni CS GmbH, Oberhausen
Kerngeschäft von Bioni CS ist die Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von Beschichtungen für Wand-, Fassaden- und Dachflächen von Gebäuden. Ziel ist es, intelligente Beschichtungen – „intelligent coatings“ – zu schaffen, die höchsten Qualitätsanforderungen gerecht werden und dem Kunden und Anwender einen echten Zusatznutzen stiften.
www.bioni.de

Sven Knoll
Sven Knoll

Maler Consult: Herr Knoll, Ihr Unternehmen hat Beschichtungsprodukte im Programm die auf Basis der Nanotechnologie entwickelt wurden. Die neue Technologie ist zur Zeit in sämtlichen Bereichen in aller Munde. Wie stellt sich die Markt-Situation oder auch Markt-Durchdringung für Sie in Malerbranche dar?

Sven Knoll: In der Tat geht von der Nanotechnologie eine große Faszination aus. Dies liegt einerseits an den Möglichkeiten, die diese Technologie zur Schaffung neuer Produkte und Materialeigenschaften bietet, andererseits an den Größen-Dimensionen, die die Nanotechnologie charakterisiert. Ein beliebtes Beispiel in diesem Zusammenhang: ein Nano-Partikel mit einem Durchmesser von 1 Nanometer hat zu einem Fußball das gleiche Größenverhältnis wie ein Fußball zu unserer Erde. Das Thema „Nanotechnologie“ war sicherlich auch einer der Gründe für die überwältigende Resonanz auf die Markteinführung unserer neuen Wand- und Fassadenfarben im September letzten Jahres. Bis heute haben über 40 Redaktionen aus TV, Hörfunk und Print unsere damalige Pressemitteilung zum Anlass genommen, über Bioni zu berichten. Das hat natürlich für einen entsprechenden Bekanntheitsgrad der Innovation gesorgt. Insbesondere aus der Maler- und Lackiererbranche konnten wir ein sehr großes Interesse an unseren Nano-Farben verzeichnen und zahlreiche Kunden hinzugewinnen. Aber natürlich haben wir noch nicht alle erreicht, so dass noch jede Menge Arbeit vor uns liegt. Doch dieser Aufgabe stellen wir uns gerne.

Maler Consult: Vor eine paar Jahren sind Fassaden-Produkte mit dem so genannten „Lotus-Effekt“ in den Markt gedrungen und haben mit dem Selbstreinigungs-Effekt für Aufsehen gesorgt. Welche revolutionären Vorteile können Sie mit Ihrem Fassadenprodukt auf Nanotechnologiebasis  bieten?

Sven Knoll: Zunächst möchte ich sagen, dass ich die damalige Einführung von Farben mit dem so genannten „Lotus-Effekt“ für einen wichtigen Schritt in der Entwicklung des Farbenmarktes halte. Funktionalität und Problemlösung standen und stehen bei diesen Produkten im Vordergrund. Der Markt, und insbesondere die Malerbranche wurden danach für Innovationen aus der Farbenindustrie offener und empfänglicher. Anders als bei den „Lotus-Effekt“-Fassaden-Farben, bei denen die physikalischen Oberflächeneigenschaften von Bedeutung sind, stehen bei unserer Fassadenfarbe Bioni Perform bio-chemische Merkmale im Vordergrund. Als wir uns vor 2 1?2 Jahren mit Wissenschaftlern des Fraunhofer Instituts für Chemische Technologie in einem Forschungsprojekt zusammenschlossen, gab es ein klar definiertes Ziel. Wir wollten Wand- und Fassaden-Farben entwickeln, die eine Langzeitwirkung gegen Schimmelpilz-, Algen- und Bakterienbefall aufweisen und gleichzeitig weitestgehend auf herkömmliche Bio- und Fungizide verzichten. Mit Hilfe der Nanotechnologie konnten wir dieses Ziel realisieren. Unsere Fassadenbeschichtung Bioni Perform zeigte in umfangreichen Untersuchungen eine hervorragende algizide Wirksamkeit. Da die Wirkung nicht auf die sonst üblichen, flüchtigen und auswaschbaren Bio- und Fungizide zurückzuführen ist, bleibt sie über einen langen Zeitraum erhalten. Algen und Moose, insbesondere auf WDVS häufig anzutreffen, haben keine Überlebens-Chance.

Maler Consult: Ein weiteres Schlagwort in Ihrer Produktreihe sind „Silberpartikel“! Ein völlig neuer Farbbestandteil. Was hat es damit auf sich? Und wie verhält sich das Preisgefüge im Vergleich zu den herkömmlichen Produkten?

Sven Knoll: Seit dem Mittelalter nutzt der Mensch die bakterizide Wirkung von Silber, z.B. in Form von Silberbesteck. Wir haben uns diese Erkenntnis zunutze gemacht und eine Wirkstoffkombination auf Basis von Nano-Silber entwickelt, die unseren Wand- und Fassadenfarben eine dauerhafte Resistenz gegen Schimmelpilz-, Algen- und Bakterienbefall verleiht. Die winzigen Silber-Partikel haben einen Durchmesser von ca. 13 Millionstel Millimetern und geben kontinuierlich Silberionen ab, die wichtige Funktionen der Mikroorganismen stören, was schließlich zu deren Absterben führt. Aufgrund dieses Wirkprinzips kann auf den Zusatz von Fremd-Bioziden verzichtet werden. Da die unsichtbaren Silberteilchen fest im Bindemittel gebunden sind, können Sie weder austreten noch ausgewaschen werden, so dass die Wirksamkeit der Farben dauerhaft erhalten bleibt. Die Technologie, die wir einsetzen, ist natürlich sehr aufwendig, so dass der Preis unserer Nano-Beschichtungen gegenüber herkömmlichen Farben höher ist. Der Maler muss mit Materialkosten von etwa 4-5 € pro Quadratmeter rechnen. Unsere Erfahrung zeigt jedoch, dass Bauherren und Haus-Eigentümer auch bereit sind, für eine nachhaltige Lösung Ihres Schimmel- oder Algen-Problems einen höheren Preis zu entrichten. Entscheidend ist, wie bei allen Produkten, die Verdeutlichung der Vorteile und des Produktnutzens für den Kunden.

Maler Consult: Welchen weiteren Service können Sie dem Malerbetrieb bieten und an die Hand geben? (Logistik, Farbentwürfe, vor Ort Beratung, Produktschulung, Verkaufsschulung usw.)

Sven Knoll: Wir verstehen uns als Partner und Berater des Handwerks, sei es in Produktfragen, bei anwendungstechnischen Problemen oder auch gestalterischen Wünschen des Auftraggebers. Auch Schulungen, sei es in unserem Hause oder beim Kunden, führen wir regelmäßig durch, insbesondere zum Thema Schimmepilze. Gerade hier ist es wichtig, die bauphysikalischen Zusammenhänge sowie Ursachen zu verstehen und zu erkennen, bevor man entsprechende Maßnahmen ergreift. Was die Logistik anbelangt, so können wir zwar den wirklich einzigartigen Service der großen Deutschen Farbenhersteller nicht darstellen, aber wir sind dennoch in der Lage, unsere Kunden schnell und zuverlässig zu bedienen. Wer heute bei uns einen Eimer Farbe bestellt, hat diesen in der Regel 2 Tage später in seiner Werkstatt stehen.

Maler Consult: Abschließend noch für den interessierten Maler. Wie kann dieser Ihre Produkte beziehen und wo gibt es weiterführende Informationen?

Sven Knoll: Bioni Produkte können direkt bei uns, in einigen Regionen auch bei ausgewählten Fachhändlern bezogen werden. Der Maler erhält von uns und unseren Handelspartnern natürlich auch alle relevanten Informationen über unsere Produkte, sei es zur Verarbeitung und Untergrundvorbehandlung oder auch Marketing-Broschüren für die Kunden-Akquisition. Die meisten Infos sind darüber hinaus auch auf unserer Homepage abrufbar, unter www.bioni.de.

 

Vielen Dank für das Interview!

Maler Consult: Herr Dr. Dornach, in den zurückliegenden Sommermonaten präsentierten Sie eine erweiterte Ausgabe des Handwerker Guides „Faszination Handwerk“. Ihre damit verbundenen Aktivitäten laufen jetzt schon gut drei Jahre. Wie ist die Resonanz, Entwicklung und Ihr Resümee?

Dr. Dornach: Das Projekt läuft im Plan. Im Vergleich zu ersten Ausgabe 2002/2003 haben wir bei der neuen Ausgabe den Umfang der eingetragenen Betriebe verdoppelt. Das Buch ist mit 450 Seiten mit der bisherigen Machart an technische Grenzen angelangt. Deshalb wird die nächste, wiederum deutlich erweiterte Auflage im nächsten Jahr in neuer Form mit weiter verbessertem Handling für den Nutzer erscheinen …

Maler Consult: Welche Gewerke sind im Handwerker Guide am häufigsten vertreten und wie ist das Interesse bei den Malerbetrieben und Baudekorationen.

Dr. Dornach: Die Malerbetriebe und Baudekorateure bilden traditionell neben den SHK-Betrieben den größten Anteil. Das liegt schlichtweg daran, dass diese Gewerke auch hinsichtlich ihrer Marketingstrategien am fortschrittlichsten aufgestellt sind.

Maler Consult: Welche konkreten Vorteile sehen Sie für den Handwerksbetrieb, der dem Kunden gegenüber, auf einen Eintrag im Handwerker Guide verweisen kann?

Dr. Dornach: Der eindeutige Wettbewerbsvorteil der ausgezeichneten Betriebe besteht in der geprüften Kundenorientierung. Damit hat der Kunde ein eindeutiges Signal, dass die so häufig gescholtenen Basic`s (Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Sauberkeit, Mitarbeiterqualität, Langfristbetreuung) engagiert eingehalten werden. Gerade für anspruchsvolle Kunden sind derartige Kriterien die entscheidende Basis für eine Auftragsvergabe. Die Auszeichnung mit der Schleife ist für den Kunden ein anerkanntes Siegel, das das Vertrauen in diesen Handwerksbetrieb in besonderer Form rechtfertigt und vor allen Dingen von reinen Preisgesprächen ablenkt.

Maler Consult: Können wir von Ihnen in Zukunft weitere bzw. neue Projekte erwarten und wenn ja, welcher Art? Gibt es schon spruchreife Ansätze?

Dr. Dornach: Seit einigen Monaten haben wir zwei neue Projekte auf dem Prüfstand, die quasi als Spezialausgabe des zentralen Hauptguides fungieren. Die Chancen stehen gut für einen Guide, der sich speziell mit traditionell-handwerklich-arbeitenden Betrieben beschäftigt. Außerdem läuft ein Guide im Test, der intelligentes – innovatives Wohnen zum Gegenstand hat.

Maler Consult: Häufig ist von Ihnen zu lesen und zu hören, dass Handwerksbetriebe sich mehr Profil verschaffen müssen. Was können Sie unseren Lesern, unabhängig von „Faszination Handwerk“, für das kommende Jahr für Denkanstöße mit auf den Weg geben?

Dr. Dornach: Profil bedeutet zukünftig vor allem, offen mit den besten Marken der Industrie zu arbeiten. Jeder Handwerker ist damit gefordert, sich jetzt mit den profiliiertesten Lieferanten zu verbünden und engagiert gemeinsam für die Durchsetzung dieser Top-Marken beim Endverbraucher zu sorgen. Vom Prinzip her ist dies die wichtigste und gleichzeitig kompromissloseste Botschaft, aus der sich alle entscheidenden Konsequenzen für Erfolgsbetriebe ergeben. „Wer heute im Handwerk nicht verkaufen lernt, ist morgen pleite!“

 

Vielen Dank für das Interview!

Dr. Bernd W. Dornach, seit 1983 Leiter des UNI MARKETING Institutes in Augsburg, gilt heute als Europas Experte Nr. 1 in Sachen HANDWERKS-MARKETING.
Dr. Dornach ist bekannt für seine Forschungsprojekte im Handwerk, für aufsehenerregende Veröffentlichungen über die Zukunft des Handwerks und seine Marketingvorträge, Verkaufstrainings und Coachings.
In dem von Dr. Dornach neu entwickelten Guide „Faszination Handwerk – Eine Auslese der Besten“ werden die Top-Betriebe des deutschen Handwerks mit Ihrem Kundenorientierungsquotienten gelistet.

Weitere Infos und Kontaktmöglichkeiten unter:
www.uni-marketing.de

Dr. Bernd W. Dornach
Dr. Bernd W. Dornach

Maler Consult: Herr Philipp, in Ihrer achtjährigen Amtszeit als Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) sind Themen wie Senkung der Lohnzusatzkosten, Bündnis für Arbeit, Meisterbrief-Debatte, Ich-AG oder beispielsweise die EU-Osterweiterung von Ihnen intensiv aufgegriffen und diskutiert worden. Welche Themen wurden von der Politik zu Ihrer Zufriedenheit umgesetzt und in welchen Bereichen besteht noch Handlungsbedarf?

Dieter Philipp: Die Bundesregierung hat versucht, die Senkung der Lohnzusatzkosten durch Reformschritte im Bereich der Rentenversicherung, der Krankenversicherung und auch der Arbeitslosenversicherung vorzunehmen. Die Ergebnisse sind für so lohnintensive Wirtschaftsbereiche wie das Maler-Handwerk aber nicht ausreichend. Hier müssen weitere konsequente Schritte folgen. Die Lösung der Probleme ist jedoch nur möglich, wenn eine Gesamtpolitik zugunsten von Wachstum und Mehrbeschäftigung die erste Priorität bekommt.

Bei den meisten Teilfragen wie EU-Osterweiterung, Ich-AG, Umsetzung von Hartz IV usw. ist es dem ZDH immer wieder gelungen, Änderungen durchzusetzen. Wenn das gesamte (oft falsche) Konzept nicht zu verhindern ist, dann muss man eben alles daran setzen, „das Schlimmste zu verhüten“. Das ist weitgehend gelungen.

Maler Consult: Das Projekt „handwerk.de“ hat Ihnen große Kritik eingebracht. Man spricht von Überschuldung, leeren Kassen und von zukünftig höheren Belastungen für Kammern und Verbände, um die Defizite zu kompensieren. Warum ist das Projekt gescheitert? Ist das Handwerk möglicherweise noch nicht reif für diese Technologie? Wie sieht Ihre Einschätzung aus?

Dieter Philipp: Das Internet-Projekt „handwerk.de“ ist in der Eigentümerschaft des Handwerks aus verschiedenen Gründen nicht zu realisieren gewesen, wird aber jetzt in privater Trägerschaft – ohne weitere finanzielle Beteiligung des Handwerks – fortgeführt. Ich bin sicher, auch sehr erfolgreich!

Dieses von allen Kammern und Fachverbänden im ZDH beschlossene Projekt hat im Ergebnis zu einer angespannten Finanzlage geführt, aber es sind keine weiteren höheren Belastungen für die Kammern und Fachverbände damit verbunden.

Die Handwerksorganisation und insbesondere die Handwerksbetriebe nutzen die Internet-Welt bereits sehr intensiv und dieser Trend wird sich noch rasant fortsetzen.

Maler Consult: Was würden Sie als größten Erfolg in Ihrer Amtszeit als Präsident des ZDH bezeichnen?

Dieter Philipp: Dass nach den „Cottbusser-Beschlüssen“ und den insgesamt dreimaligen Änderungen der Handwerksordnung das Handwerk in seinem Spitzenverband ZDH zusammensteht und sich nicht von anderen Interessengruppen und der Politik hat auseinander dividieren lassen.

Erfolgreich, aber im Ergebnis unbefriedigend ist es natürlich immer wieder, in Richtungs- und Sachfragen im nachhinein Recht zu bekommen, wie z. B. bei der Frühverrentung.

Maler Consult: Herr Otto Kentzler hat Ihre Nachfolge angetreten. Welche Aufgabe sehen Sie als wichtigste auf ihn zukommen. Und welche Empfehlungen haben Sie ihm mit auf den Weg geben?

Dieter Philipp: Es ziemt sich nicht, seinem Nachfolger öffentlich Ratschläge zu geben.

Maler Consult: Durch die Abgabe des Spitzenamtes stehen Ihnen nun zusätzliche Kapazitäten zur Verfügung. Wie werden Sie diese Kapazitäten füllen? Wie sieht Ihre Zukunft hinsichtlich Verbands- oder Kammerarbeit aus?

Dieter Philipp: Ich habe jetzt mehr frei verfügbare Zeit, die ich zu unternehmerischem und bürgerschaftlichem Einsatz nutzen werde. Alles Weitere wird sich ergeben.

 

Vielen Dank für das Interview!

Von 1997 bis 2004 stand der Aachener Maler- und Lackierermeister Dieter Philipp an der Spitze des Zentralverbands des Deutschen Handwerkswerks (ZDH). Als bundesweit anerkannter Sprecher des Wirtschaftszweigs hat er in den acht Jahren seiner Amtszeit engagierte Lobbyarbeit für den Mittelstand in der Bundesrepublik geleistet. In das Führungsamt brachte Philipp (61) seine Erfahrungen als Unternehmer, Kommunalpolitiker und Präsident der Handwerkskammer Aachen ein. Diese Aufgabe wird er auch in den kommenden fünf Jahren wahrnehmen, nachdem ihn die Vollversammlung der Kammer wiedergewählt hat. Gemeinsam mit seinem Bruder und seinen Sohn leitet Philipp ein Familienunternehmen in der Kaiserstadt, das sich auf hochwertige Malerarbeiten und Restaurierungen spezialisiert hat.

Dieter Phillip
Dieter Phillip

Maler Consult: Bei uns in der Branche werden täglich Tapeten in sämtlichen Varianten verarbeitet. Doch nur wenige Verarbeiter wissen hintergründiges zu den Tapeten. Woher kommt denn die Tapete bzw. wo hat sie ihren Ursprung?

Dr. Sabine Thümmler: Papiertapeten, wie wir sie heute kennen, haben ihren Ursprung in der Zeit der Renaissance. Bedruckte Papierbögen als Wandschmuck erfreuten sich in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts großer Beliebtheit. Doch diese Tapeten konnten sich nicht dauerhaft durchsetzen. Erst die Erfindung der Tapetenrolle ließ die Tapete im wahrsten Sinne des Wortes salonfähig werden. Um 1700 kam man in England auf die Idee die einzelnen Papierbögen – Rollenpapier wurde erst ab 1830 üblich – vor der weiteren Verarbeitung zusammenzukleben. Dennoch dauerte es noch ein halbes Jahrhundert bis die Papiertapete endgültig ihren Siegeszug begann.

Maler Consult: Gibt es hinsichtlich der Entwicklung der Tapeten (vergangenen Jahrhunderten), Phasen oder Epochen, in denen bestimmte Muster oder Materialien bestimmend waren?

Dr. Sabine Thümmler: Im Barock waren wertvolle Ledertapeten als repräsentativer Wandschmuck sehr beliebt. Hell bemalte oder bedruckte Leinwandtapete mit chinesischen Motiven, die sogenannten „Pekingtapeten“ schmückten die Zimmer zu Zeiten des Rokoko in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Zwischen 1815 und 1848, in der Zeit des Biedermeier, waren handgedruckte Papiertapeten so populär, daß sie in jede gute Stube gehörten. Prächtige Blumenmuster entfalteten sich auf üppigen Bordüren zu unifarbenen oder kleingemusterten Tapeten. Blumenmuster in vielen Varianten sollten bis in weit ins 20. Jahrhundert hinein zu den beliebtesten Dessins gehören.

Maler Consult: Wie sieht es mit Hinblick auf die geographische Lage aus; sind regionale oder kontinentale Trends und Vorlieben für bestimmte Tapetenarten auszumachen?

Dr. Sabine Thümmler: Das kann man nicht feststellen. Die Exporttapeten für Großbritannien oder USA waren in früheren Jahren farbenfreudiger. Auch die klassischen Stiltapeten und Blumenmuster sind dort mehr vertreten als auf dem europäischen Kontinent, während in Holland und Deutschland eine Vorliebe für Strukturtapeten, sprich Rauh- und Glasfaser, herrscht.

Maler Consult: 1991 wurde die „Gütegemeinschaft Tapeten e.V.“ zur Qualitätssicherung ins Leben gerufen. Welche Qualitätsmerkmale müssen Tapeten demzufolge aufweisen?

Dr. Sabine Thümmler: Umweltverträglichkeit steht an erster Stelle, d.h. es werden nur Farben, Materialien und Zusatzstoffe bei der Tapetenherstellung eingesetzt, die ökologisch unbedenklich sind. Permanente Kontrolle durch unabhängige Prüfinstitute garantiert das heute erreichbare Optimum an Schadstofffreiheit.

Maler Consult: In den letzten Jahren wurden von der Farbindustrie immer neue Anstrichsysteme mit Effekten, als Alternative zur Tapete entwicklet. Welchen Stellenwert wird die Tapete zukünftig in diesem Zusammenhang einnehmen?

Dr. Sabine Thümmler: „Anstrich oder Tapete?“ Diese Frage ist so alt wie die Branche und nur individuell zu lösen, da sie grundverschiedene Raumcharakter darstellen. Beides – Anstrich und Tapete – wird nebeneinander existieren.

 

Vielen Dank für das Interview!

Dr. Sabine Thümmler studierte Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Ethnologie in Bonn. Promotion 1987 über ein ornamentgeschichtliches Thema. Von 1986 bis 1989 arbeitete sie als Kostümbildnerin am Schauspiel Bonn.

Seit 1990 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin und ab 1991 Leiterin des Deutschen Tapetenmuseums der Staatlichen Museen in Kassel. Daneben Dozentin für historische Tapeten beim Deutschen Zentrum für Handwerk und Denkmalspflege Propstei Johannesberg in Fulda. Zahlreiche Vorträge, Ausstellungen und Publikationen zu Design, Kunstgewerbe und Tapetenhistorie.

Maler Consult: Herr Scheld, die von Ihnen auf den Weg gebrachte Initiative „Farbe macht glücklich“ läuft seit der Messe „Farbe 2005“.  Was genau ist unter dieser Aktion zu verstehen? Was wollen Sie und das Malerblatt als Medienpartner damit bezwecken?

Thomas Scheld: In Zeiten rückläufiger Branchenumsätze und verhaltener Konjunkturerwartungen wird das Maler- und Stuckateurhandwerk immer mehr von einem ruinösen Verdrängungswettbewerb geprägt. Aus unserer Beraterpraxis kennen wir die aktuelle Problemlage. Noch nie war der Preiskampf so hart. Noch nie die Zukunftsangst bei den Betrieben so groß. Es ist an der Zeit etwas zu ändern. Es muß wieder mehr Markt entstehen. Hierzu bedarf es neuer Ideen und Konzepte. Und deren Entwicklung und Umsetzung scheitert häufig an den finanziellen Mitteln des einzelnen Betriebs. Genau hier setzt „Farbe macht glücklich!“ an. Zunächst haben wir mit „Farbe macht glücklich!“ einen einfachen und einprägsamen Slogan kreiert, der sich schnell in den Köpfen der Menschen festsetzt. Und mit einem von uns entwickelten professionellen Marketing-Konzept kann jeder Betrieb in seinem direkten Umfeld mehr Markt machen, und zwar einfach und ohne große Kosten. Jeder Maler- und Stuckateurbetrieb, der mitmachen will, kann sich kostenfrei unter www.farbe-macht-gluecklich.de registrieren lassen. Nach der Registrierung erhält er einen kostenfreien Zugriff auf das Aktionsprogramm und die ausführlichen Handlungsbeschreibungen, die er einfach nur noch umsetzen muß.

Maler Consult: Wenn Sie die vergangenen Wochen und Monate zurückblicken; wie sieht Ihr Resümee dazu aus? Wird die Initiative nach Ihren Erwartungen angenommen?

Thomas Scheld: Wir haben die Marktinitiative „Farbe macht glücklich!“ im April dieses Jahres auf der Messe „Farbe 2005“ in Köln erstmals dem interessierten Fachpublikum vorgestellt und wir waren überrascht von der großen Resonanz. Das Interesse war überwältigend. Und auch noch heute – drei Monate später –  erhalten wir täglich zahlreiche Registrieranfragen. Maler machen Markt! Das ist jetzt Realität!

Maler Consult: Ihr Softwareunternehmen ist als Spezialist im Malermarkt schon mehrere Jahre etabliert. Zwei von Ihren Lösungen sind „BILDaufmaß“ und der „Praxis-Leistungskatalog“. Was genau ist das Besondere und der eigentliche Vorteil dieser zwei Produkte?

Thomas Scheld: Als Erfinder von BILDaufmaß haben wir die Aufmaßerstellung im Malerhandwerk entscheidend verändert. Mit dem Markteintritt von BILDaufmaß Ende der 90er Jahre war die Aussage „Ein Foto genügt, um ein Aufmaß zu erstellen…“ geradezu revolutionär. Kaum ein Maler konnte sich dies vorstellen. Heute ist diese Vorgehensweise im Malerhandwerk eine Selbstverständlichkeit. BILDaufmaß hat sich im Markt etabliert und ist aus modernen Malerbetrieben nicht mehr wegzudenken. Das besondere an BILDaufmaß ist, daß es weitaus mehr kann als nur Strecken zu messen. BILDaufmaß zerlegt eine Fassade automatisch in Teilflächen, bildet selbständig Berechnungsformeln und führt eigenständig die zur Berechnung notwendigen Messungen durch.

Unser Praxis-Leistungkatalog ist eine Kalkulationshilfe für Maler- und Stuckateurbetriebe. Er enthält über 600 vordefinierte Leistungsbeschreibungen inklusive ausführlicher Arbeitsbeschreibungen, praxisorientierter Bauzeit und detaillierter Materialkalkulation. Das ist jede Menge Know How, das hilft Baustellen bereits im Vorfeld genau einzuschätzen und sicher zu kalkulieren. Der besondere Clou dabei ist das Suchsystem: Unter dem Kürzel „FPV“ werden beispielsweise alle Positionen im Bereich „Fassade – Putz – Vorbereiten“ verwaltet. Und durch das standardisierte Datenformat Datanorm 4.0 kann der Praxis-Leistungskatalog in fast jede Handwerkersoftware übernommen werden.

Unseren Lösungen ist eines gemein: Durch ihren Einsatz spart der Maler eine Menge Zeit gegenüber der herkömmlichen Arbeitsweise. Das ist Zeit, die er  auf der Baustelle sowie im Büro gut gebrauchen oder als Freizeit mit seiner Familie genießen kann.

Maler Consult: Die aufwendige Einarbeitungszeit in neue Softwareprodukte, wird von den Benutzern oftmals ablehnend vorgetragen. Wie lange schätzen Sie die Einarbeitungszeit für vor genannte Produkte, bis tatsächlich eine Zeitersparnis eintritt? Und welche Maßnahmen stehen dem Nutzer zur Verfügung um die Einarbeitungszeit so gering wie möglich zu halten?

Thomas Scheld: Einarbeitungszeiten kann man nicht pauschalisieren. Zum einen hängen Sie von der Komplexität eines Softwareproduktes ab und zum anderen auch vom Kenntnisstand eines Anwenders. BILDaufmaß ist ein sehr überschaubares und selbsterklärendes Produkt. Außerdem wird eine ausführliche Starthilfe mitgeliefert. Anhand eines Musterprojektes wird hier jeder einzelne Anwendungsschritt erläutert. Wir empfehlen unseren Kunden, dieses Musterprojekt einmal durchzuspielen. Es gibt aber auch Anwender, die lieber direkt am PC in die Software eingewiesen werden möchten. Diese haben die Möglichkeit ein Halbtages-Seminar in unserem Haus zu besuchen.

Beim Praxis-Leistungskatalog gibt es keine Einarbeitungszeit. Der Anwender muß sich nur einmal kurz die Systematik ansehen und dann gehts los: „FPV“ meint „Fassade – Putz – Vorbereiten“, „FPS“ meint „Fassade – Putz – Spachteln“, und so weiter. Das ist einleuchtend und bedarf keiner weiteren Erklärung.

Maler Consult: Abschließend ein Blick in die Zukunft. Wie ist der erfolgreiche Malerbetrieb in Hinblick auf strukturelle und konjunkturelle Veränderungen in 10 Jahren, nach Ihren Einschätzungen aufgestellt, wenn man beispielsweise die Parameter Kundenstruktur, Betriebsgröße und Mitarbeiteranzahl vergleicht? Oder müssen grundsätzlich differenzierte Betrachtungsweisen herangezogen werden?

Thomas Scheld: Es gibt nicht die eine richtige Strategie, die den Erfolg des Betriebes garantiert. Dazu ist der Markt zu vielschichtig und die Betriebe sind zu unterschiedlich. Aber eines läßt sich mit Sicherheit sagen: Unsere Gesellschaft verändert sich und mit ihr verändern sich die Märkte. Und bei diesem Wandel muß auch der einzelne Betrieb mitmachen, oder der Markt bewegt sich an ihm vorbei.

 

Vielen Dank für das Interview!

Geschäftsführender Gesellschafter der C.A.T.S.-Soft GmbH, langjährige Beratungs- und Trainingstätigkeit speziell im Mittelstand und Handwerk, Autor zahlreicher betriebswirtschaftlicher Fachartikel u.a. für das Malerblatt.

Kontakt:
Thomas Scheld
c/o C.A.T.S.-Soft GmbH
Eigenroder Straße 1
35075 Gladenbach
Tel. 06462/9374-0
Fax 06462/9374-30
www.cats-soft.de

Maler Consult: Herr Dr. Schmid, die EU Osterweiterung wird in unserer Branche weitgehend kritisch und negativ beäugt. Heinrich Schmid hingegen sieht darin Chancen und hat kürzlich die erste Niederlassung in Tschechien eröffnet. Welches Potential sehen Sie in den Osteuropäischen Länder und warum ist für Sie der Markt so attraktiv.

Dr. Carl Heiner Schmid: Bei der EU-Osterweiterung gibt es eine klare Erkenntnis: Entweder folgt das Geld den Menschen, oder die Menschen folgen dem Geld. Wie sich Heinrich Schmid entschieden hat, wissen Sie. Die volkswirtschaftlichen Wachstumsraten liegen in Mittel- und Osteuropa weit höher als in Deutschland, und die Steuergesetzgebung ist dort wesentlich unternehmerfreundlicher. Zudem hat Deutschland noch erheblichen kulturellen Aufholbedarf. In Wien, Österreich, sitzen mehr als 300 Holding-Ost-Gesellschaften südeuropäischer und nichteuropäischer Muttergesellschaften. Sie haben die Aufgabe, unternehmerisches Wachstum in den mittel- und osteuropäischen Ländern zu schaffen. Warum aber sitzen diese Holdings in Österreich und nicht in Deutschland?

Maler Consult: Sollten andere Maler-Unternehmen sich mit ähnlichen Gedanken auseinander setzen;  was sind die wichtigsten Punkte die zu berücksichtigen sind und wie hoch schätzen Sie das zu erbringende Investitionensvolumen?

Dr. Carl Heiner Schmid: Zunächst muss jeder Kollege seine Hausaufgaben daheim in Deutschland machen. Denn ohne eine solide unternehmerische Basis im Inland funktioniert im Ausland gar nichts. System und Mann sind gefragt. Als Unternehmer muss ich wissen, wie ich die Gründung einer erfolgreichen Auslandsniederlassung anpacken muss, und ohne nationale Führungskraft geht gar nichts. Die Investitionssumme ist ein nachrangiges Problem. Mit 100.000 Euro kommen Sie in Mittel- und Osteuropa ziemlich weit.

Maler Consult: Gehen wir einen Schritt weiter. Globalisierung. Den asiatischen Märkten, insbesondere China, wird eine enorme Kaufkraft bescheinigt. Ist dieser Markt auch ein Thema für Heinrich Schmid?

Dr. Carl Heiner Schmid: China, Indien, USA und Kanada – das sind unendlich große Märkte. Wachstum unlimited. Während in Mittel- und Osteuropa Deutsch als Managementsprache gelten kann, funktioniert dies bei der Globalisierung nicht mehr. Doch wer von den deutschen Handwerkern ist in Englisch schon verhandlungssicher. Von Mandarin ganz zu schweigen. Und wer kennt die kulturellen Besonderheiten des jeweiligen Landes. Hier wird die Einsprachigkeit des deutschen Handwerks zum Gefängnis.

Maler Consult: Sie lassen keine Gelegenheit aus, auf die Wichtigkeit von „Veränderungsbereitschaft“ hinzuweisen. Welches sehen Sie als  bislang wichtigsten Veränderungsprozeß, den das Unternehmen Heinrich Schmid durchlaufen hat.

Dr. Carl Heiner Schmid: Heinrich Schmid häutet sich ständig. Dabei gibt es wichtige und weniger wichtige Ereignisse. Eine der großen Stationen fand vor mehr als drei Jahrzehnten statt. Wir schufen eine absolut klare Transparenz bei den Finanzkennzahlen. Eine Transparenz, die heute niemand mehr diskutiert. Eine weitere große Wende kam Ende der Neunzigerjahre. Wir erkannten, dass wir mehr als als nur Finanzkennzahlen brauchen. Weitere Erfolgsfaktoren sind zu messen. Denn nur was gemessen wird, wird getan. Das Ganze läuft heute bei Heinrich Schmid unter dem Begriff Prozesssteuerung und Prozessoptimierung. Um dieses Denken und Handeln bei Heinrich Schmid anzustoßen, war ich ziemlich lange als Feldgeistlicher unterwegs.

Maler Consult: Wie ist der erfolgreiche national agierende Malerbetrieb in Hinblick auf strukturelle und konjunkturelle Veränderungen in den nächsten Jahren aufgestellt, wenn man die Parameter Auftragsstruktur, Betriebsgröße und Mitarbeiteranzahl heran zieht?

Dr. Carl Heiner Schmid: Patentrezepte kann ich leider nicht anbieten. Die Antwort auf folgende Frage ist gesucht: Wo bewege ich mich mit meinem Unternehmen? Im Blut getränkten Haifischbecken des gnadenlosen und immer härter werdenden Wettbewerbs? Oder ist es mir gelungen, eine blaue Lagune zu schaffen, in der meine Kunden gerne baden und sich erholen mögen? Ich bin gerade am Entwurf eines Artikels für unsere Firmenzeitung „HS-Report“ zu diesem Thema. Wenn meine unternehmerische Zukunft nicht blutrot, sondern karibikblau gefärbt sein soll, muss ich unter anderem folgende Denkschritte anpacken:

Schritt 1: Was gab es vor 30 Jahren in unserm Handwerk noch nicht?

Schritt 2: Was gab es vor 15 Jahren bei Malers nicht?

Schritt 3: Was muss ich in 15 Jahren meinen Kunden anbieten, damit nicht nur der gewinnt, der die stärksten Oberarme und die schärfste Machete besitzt?

 

Vielen Dank für das Interview!

Gesellschafter von Europas grösstem Malerbetrieb, der Heinrich Schmid GmbH & Co.KG

Dr. Carl Heiner Schmid
Dr. Carl Heiner Schmid

Maler Consult: Frau Pfleiderer sie sind jetzt seit einem Jahr Leiterin der Akademie des Maler- und Lackiererhandwerks Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen e.V. Wie ist die generelle Nachfrage hinsichtlich Ihres Seminar-Angebotes und gibt es bevorzugte Seminare bzw. Tendenzen?

Birgit Pfleiderer: Die generelle Nachfrage hinsichtlich unseres Seminarangebotes ist gut, jedoch noch nicht zufriedenstellend. Wir nutzen jede Möglichkeit, die Akademie in der Öffentlichkeit vorzustellen, um bei unseren Kunden den Nutzen / Bedarf für Fortbildung in das Bewusstsein zu rufen bzw. zu wecken.

Hervorragend kommen die Seminare/Kurse/Veranstaltungen an, die es bisher in dieser Form nicht gab – wie z.B.

  • Die von uns neu geschaffene „Kommunikationsplattform Wissensforum Malerhandwerk – „Von den Besten profitieren.“
  • Was sagt die Rechtssprechung zur neuen VOB
  • Winteraufträge sichern – Gewinnsicherung 2004 im Malerhandwerk
  • Ortstermine – Hier stellen wir Betriebe mit Interessanten Strukturen, neuen, umgesetzten Ideen, die sich in Marktnischen bewegen oder z.B. sonstige Besonderheiten entwickelt und in Ihren Betrieben umgesetzt haben vor.

Überraschenderweise geht der Seminartrend auch zu Samstags- und Abend-Veranstaltungen.

Maler Consult: Gibt es für 2004 ein „Seminar-Highlight“, was besonders herauszuheben wäre?

Birgit Pfleiderer: Ein „Highlight“ in der Seminarsaison Herbst 2003 bis Frühjahr 2004 waren und sind sicherlich die Wissensforen.
Hier konnten Referenten gewonnen werden, die sicherlich zu den Besten unserer Branche zählen.
In dieser Reihe haben bisher Herr Philip Mecklenburg von der Handwerksgruppe Mecklenburg – über „Professionalität mit Herz und Verstand, eine Geschäftsidee wird 15!“, Herr Hans Moosbrugger, Firma Hembus Frankfurt – über Mitarbeiter-Aus- und Weiterbildung im eigenen Betrieb und Herr Dr. Carl-Heiner Schmid, Firma Heinrich Schmidt Malerwerkstätten über das „Management des Wandels“ referiert.
Am 07. Mai 2004 referiert in Nürnberg Herr Werner Deck, Opti-Maler-Partner, zu dem Thema „Wer an die Quelle will, muß gegen den Strom schwimmen.“

Maler Consult: 2003 gab es im Gesamthandwerk 40.000 Insolvenzen. Nun hat es auch das Internetportal handwerk.de erwischt. Man könnte annehmen, das Handwerk ist noch nicht reif für den Online-Alltag. Bei Ihnen können auch Seminare über das Internet gebucht werden. Welche Erfahrungen haben Sie als Seminaranbieter gemacht und wie ist ihre persönliche generelle Einschätzung hinsichtlich der Onlineaktivitäten im Handwerk, insbesondere im Malerhandwerk?

Birgit Pfleiderer: Nachgeschaut wird sehr viel im Internet. Diverse Unternehmen buchen alle Ihre Seminare online. Viele jedoch holen sich die Informationen von der Internetseite, buchen dann jedoch zeit versetzt per Telefax.
Die Onlineaktivität wird meiner Meinung nach mit dem nächsten Generationswechsel sehr stark zunehmen. Da bei der kommenden Generation keine „Berührungsängste“ mehr mit dem Internet bestehen, da diese mit diesem Medium aufgewachsen sind.

Maler Consult: Welchen Stellenwert räumen Sie dem E-Learning im Malerhandwerk ein? Halten Sie es für praktikabel beispielsweise Teile des Meisterkurses online zu vermitteln?

Birgit Pfleiderer: Ich persönlich räume dem E-Learning einen geringen Stellenwert ein. Hier ist es meiner Meinung nach ähnlich wie bei dem „Fernstudium.“
Diese Möglichkeit ist schon lange am Markt, nur der Anteil der jeniger, die sich für diese Art von „Lernen“ entscheiden ist nicht sehr hoch.
Teile des Meisterkurses online zu vermitteln halte ich für nicht praktikabel, da dieser Kurs als eine Einheit betrachtet werden sollte, wo sich immer ein Praxisbezug ergeben muss.

Maler Consult: Zu Jahresbeginn wird in den meisten Malerbetrieben die Budgetierung vorgenommen. Bei dem einen oder anderen Betrieb werden sicherlich auch dieses Jahr diverse Nutzfahrzeuge auf der Liste stehen. Welche Empfehlungen können sie als erfahrene Nutzfahrzeugtesterin aussprechen und warum?

Birgit Pfleiderer: Man sollte sich bei der Auswahl des richtigen Nutzfahrzeuges für seinen Betrieb wirklich Zeit nehmen. Am besten erstellt man sich an Hand der Kriterien, die man an ein Nutzfahrzeug stellt (z.B. Sicherheitskriterien, Möglichkeiten des Einbaus von Fahrzeugeinrichtungen, Beschriftungsmöglichkeiten etc.) eine entsprechende „Checkliste“ und vergleicht die Fahrzeuge der unterschiedlichen Hersteller miteinander. Dies beansprucht zwar im Vorfeld des Kaufes etwas mehr Zeit, dafür erfährt man später, nach dem Kauf keine „bösen Überraschungen.“
Ich persönlich habe meine Ergebnisse des Nutzfahrzeugtests immer den Kaufentscheidungen zu Grunde gelegt.
Nicht außer Acht lassen sollte man allerdings den Händlerservice. Denn die Mobilität ist für uns alle sehr wichtig und ist eine Werkstatt z.B. nicht in der Lage auch Kundendienste außerhalb der üblichen Öffnungszeiten vorzunehmen fallen sofort KFZ-Ausfallzeiten an, die den Betrieb teuer zu stehen kommen.

 

Vielen Dank für das Interview!

Geboren 1963 in Stuttgart, ein Sohn: Thomi (11 Jahre), Fachhochschulreife, Ausbildung Bürokaufmann (Württembergische Malereinkaufsgenossenschaft, Ludwigsburg), Ausbildung Maler und Lackierer (Malerbetrieb Pfingsttag, Schönaich), Betriebswirt des Handwerks HKW München.
Nach dem Studiengang zum Betriebswirt arbeitete sie als kaufmännisch / technische Angestellte im Malerbetrieb Pfingsttag in Schönaich. 1993 Übernahme des Malerbetriebes Stähle + Lauxmann, Schönaich, seit Januar 2003 Geschäftsführerin der Akademie des Maler- und Lackiererhandwerks Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen e.V.

Maler Consult: Zunächst mal möchten wir Ihnen zur Präsidentschaft des Hauptverbandes Farbe, Gestaltung und Bautenschutz gratulieren. Herr Hinz, welche Ziele haben sie sich als neuer Präsident gesetzt und was sehen Sie in Ihrem Amt als größte Herausforderung?

Jürgen Hinz: In wirtschaftlich schwierigen Zeiten gilt es sich der Verantwortung zu stellen, in der Berufsgemeinschaft zusammen zu stehen und gemeinsam zu kämpfen. Unsere Aufgabe ist es, die Mitgliedsbetriebe mit ihrem besonderen Qualitätsprofil am Markt zu plazieren. Vorrangig kämpfen wir darum, das Rahmenbedingungen von der Politik gesetzt werden, die uns nicht weiter belasten und behindern. Grundlegende Veränderungen in der Steuer- und Sozialpolitik, die uns von Lohnnebenkosten entlasten, sind notwendig. Verläßlichkeit in politische Entscheidungen muß her, damit Investitionen ausgelöst werden, die unsere Auftragsbücher füllen.

Maler-Consult: Alle Welt spricht von der EU Osterweiterung. Wie wird sich Ihrer Meinung nach die EU – Osterweiterung auf das Maler- und Lackiererhandwerk auswirken. Wo sehen Sie die Risiken und wo die Chancen?

Jürgen Hinz: Zum europäischen Einigungsprozess gibt es keine Alternative. Die EU- Osterweiterung steht in engem Zusammenhang mit der dauerhaften Sicherung von Frieden in Europa. Über den zu erwartenden höheren Export in die neuen EU- Staaten erhoffen wir uns eine Belebung der schwachen Binnenkonjunktur. Das starke unterschiedliche Lohngefälle birgt die große Gefahr von weiteren Verwerfungen am Markt. Das gilt besonders für unser personalintensives Handwerk. Die jetzt geschaffenen Übergangsfristen und unserer tariflichen Regelungen zum Mindestlohn sind der Versuch dies „abzufedern“, gänzlich auszuschließen wird das nicht sein.
Um so wichtiger ist es, daß unsere Betriebe eine größtmögliche Flexibilität erhalten, das Personalmanagement wird an Bedeutung gewinnen.

Maler-Consult: Zwar sind noch nicht alle Einzelheiten der Gesetzestexte bekannt, aber eins ist beschlossene Sache, die Maler und Lackierer bleiben der Anlage A der HWO zugeordnet. Der Meisterbrief bleibt als Zugangsvoraussetzung. Was glauben sie waren die letztendlich durchschlagenden Argumente für diese Entscheidung.

Jürgen Hinz: Neben der „Gefahrengeneigtheit“ galt als Kriterium für die Aufnahme in die Anlage A der Handwerksordnung eine überdurchschnittlich hohe Ausbildungsplatzquote, die um 50 Prozent über dem Durchschnitt der gewerblichen Wirtschaft liegt. Die Meisterausbildung in unserem Gewerk lag uns besonders am Herzen, denn wir können Marktchancen nur erringen, wenn wir uns vom „do it yourself“ abgrenzen. Diesen Qualitätsgedanken wollen wir mit der Kampagne „Malerfachbetrieb, mit Brief und Siegel“ nach außen bringen. Grundlage ist und bleibt die meisterliche Ausbildung, die durch die Neuordnung der HWO, bestätigt werden. Genauso wichtig aber ist die fachliche Fortbildung über die Angebote der Fachorganisation.

Maler-Consult: Herr Hinz, die Karrieremöglichkeiten für Maler und Lackierer sind größer geworden. Künftig wird es außer dem Meister und dem Gesellen noch den Bauten – und Objektbeschichter , so wie den Vorarbeiter und Baustellenleiter als Qualifikation geben. Was versprechen Sie sich von diesen neuen Ausbildungsmöglichkeiten bzw. dieser Staffelung?

Jürgen Hinz: Unser vorrangiges Ziel muß es sein, gut qualifizierte Lehrlinge zu erhalten. In den nächsten Jahren wird uns die Masse und damit die Klasse an Lehrstellenbewerbern nicht zur Verfügung stehen. Mit der neuen Ausbildungsordnung erhöhen wir die Vielfalt der Tätigkeiten und Karrieren im Maler- und Lackiererhandwerk. Wir erhöhen mit der neuen Ausbildungsordnung aber auch das Anforderungsprofil, um mehr „Klasse statt Masse“ zu erhalten. Unterhalb des Gesellen wird die Tendenz zunehmen, weitere Berufsabschlüsse wie den Bauten- und Objektbeschichter anzubieten. Aber noch wichtiger wird für uns sein, die Ausbildung der Führungskräfte, sowohl unter wie auch oberhalb des Meisters praxisnah zu gestalten und anzubieten. Als Verband können wir hier einheitliche Qualifikationsmaßstäbe setzen, die insgesamt ihre Anerkennung finden werden.

Maler-Consult: Sie sind auch Mitglied des Vorstandes der internationalen Malerunion UNIEP. Welche Aufgaben und Schwerpunkte setzt sich die internationalen Malerunion UNIEP und welchen Nutzen kann der Malerbetrieb hier in Deutschland von dieser Vereinigung erwarten.

Jürgen Hinz: Die umfassende Interessenvertretung gegenüber der Politik, in der Technik, Bildung und im Tarif- und Arbeitsrecht auf europäischer Ebene sind hier die Schwerpunkte. Die Fachorganisation erkämpft als UNIEP-Mitglied heute ein Vielfaches an Vorteilen für die Betriebe. Die Verabschiedung der 2. europäische Lösemittel Richtlinie („Decopaint“) ist ein Beispiel. Das Maler- und Lackiererhandwerk in Europa (insbesondere Hauptverband, UNIEP und FOSAG) und die europäischen Lackverbände haben erhebliche Anstrengungen unternommen, um realistische Zielwerte bei den produktbezogenen Reglementierungen durchzusetzen.

Wir schauen als Mitglied der UNIEP immer auch über die Grenzen auf die Arbeit unserer Kollegen in anderen Ländern. Dadurch profitieren unsere Betriebe durch internationalen Erfahrungsaustausch, denn gute Ideen, die in einem Land bereits verwirklicht sind, können wir aufgreifen und das eine oder andere auch bei uns umsetzen. Gleiches gilt natürlich umgekehrt. Zum europäischen Einigungsprozess gibt es keine Alternative, wenn auch in Zukunft ein Leben in Frieden und Freiheit in Europa Bestand haben soll. Eine wichtige Aufgabe ist es, die Entscheidungen auf der europäischen Ebene für unsere Betriebe transparenter zu machen. Nicht zuletzt ist auch hier der funktionierende Austausch über die UNIEP hilfreich.

 

Vielen Dank für das Interview!

Jürgen Hinz, geboren am 28.09. In Hamburg ist Präsident des Hauptverbandes Farbe, Gestaltung und Bautenschutz.
Nach der Ausbildung zum Diplom Kaufmann, und erfolgreicher Meisterprüfung, übernahm er 1979 den vormals elterlichen Betrieb.

Herr Hinz ist außerdem:
Mitglied des Vorstandes der internationalen Malerunion UNIEP
Vorsitzender der Kommission Bundes einheitliche Meisterprüfung im Maler- und Lackiererhandwerk.
Meisterprüfungsausschuß HWK – Hamburg.
Vorstand Maler- und Lackiererinnung Hamburg

Jürgen Hinz
Jürgen Hinz

Maler Consult: Herr Schneider, als Sachverständiger werden Sie zur Klärung von Streitigkeiten angefragt. Wie bewerten Sie den Trend, dass von Bauherren oder deren Vertreter, ungerechtfertigte Mängelanzeigen vorgetragen werden um sich somit vor Ihrer Zahlungsverpflichtung zu drücken? Und wie kann man solchen Gebahren entgegen treten?

Ralf Schneider: Diesen „Trend“ bedauere und bestätige ich. Da viele unserer Handwerkskollegen dies in der Vergangenheit zu spät bemerkten und sich darauf nicht eingestellt haben, gab und gibt es bundesweit zahlreiche Tragödien im geschäftlichen und privaten Bereich.
Solchem Gebaren entgegen treten kann man meines Erachtens nur durch richtiges Verhalten / durch richtiges Baumanagement.

Maler Consult: Die Anbieter von Ausbildungsgängen zum Sachverständigen haben großen Zulauf. In der Bau-Szene gibt es beispielsweise einen Abschluß als „Sachverständiger für die Bewertung von Gebäude-Sachschäden“ oder als „Bau-Sachverständiger“. Wie sind diese Sachverständigen im Hinblick auf die Sachverständigen der Handwerkskammern zu bewerten. Gibt es Unterschiede? Wenn es Unterschiede gibt, werden diese, von denen die besondere Sachkunde in Anspruch nehmen (Richter, Fachbetriebe, Privatpersonen) auch wahrgenommen?

Ralf Schneider: Die Industrie- u. Handelskammern bestellen Architekten für z.B. „Schäden an Gebäuden“. Dies sind Generalisten, die gestern z.B. Fundamentsabdichtungen, Tragwerksschäden, Estrich- und Fliesenarbeiten begutachtet haben und heute womöglich Putz-, Trockenbau- und Malerarbeiten bewerten, diese Berufe aber meistens nie erlernt haben und praktische Erfahrung nur „vom Hinsehen“ haben. Die Handwerkskammersachverständigen sind Spezialisten auf ihrem Gebiet, die den Beruf erlernt, im eigenen Betrieb meist sorgenvoll durchlebt und durch ständige Weiterbildung – auch im rechtlichen Bereich – sich zu „Meistern“ entwickelt haben. Von Richtern und Privatpersonen habe ich leider schon häufig folgende Antwort als Begründung für die Beauftragung von Architekten erhalten: „Handwerksmeister mögen zwar mehr von ihrem Fach verstehen sind aber häufig nicht in der Lage auf dem Papier (im Gutachten) oder in einer Anhörung vor Juristen sich so verständlich zu artikulieren wie ein akademisch vorgebildeter Architekt“ – was meines Erachtens nicht zutreffend ist. Die nachrückende SV-Generation im Handwerksbereich beweist häufig das Gegenteil.

Maler Consult: Wie sehen Sie die generelle Rolle des Sachverständigen in der Zukunft? Wird der Sachverständige, aufgrund zunehmender Streitfälle, bald Alltag auf unseren Baustellen sein?

Ralf Schneider: Ja, der Sachverständige ist schon heute Alltag auf unseren Baustellen. Je größer die Baumaßnahme umso ausgeprägter ist diese Entwicklung. Zu unterscheiden gilt es, dass es „Schwachverständige“ und Sachverständige gibt. Der Sachverständige, der sich im Baumanagement, im Werkvertragsrecht weiterbildet und spezialisiert ist und wird künftig „der gefragte Mann / die gefragte Frau“ sein.

Maler Consult: Im Objektbereich oder als Nachunternehmer im Einsatz für Generalunternehmer wird immer öfter vom „Krieg am Bau“ gesprochen. Welche „Kriegsstrategie“ bzw. „Kriegsführungselemente“ können Sie Malerbetrieben mit auf den Weg geben.

Ralf Schneider: In der heutigen Zeit des „Krieges im Baugeschehen“, Sie haben Recht mit diesem Ausdruck, müssen Betriebsinhaber, Bauleiter und Vorarbeiter einfach mehr wissen als man in der Regel in unseren Meisterschulen lernt. Die „Gegenseite“ (Generalunternehmer, Baukonzerne, Bauträger etc.) schult ihre Projekt- und Bauleiter intensiv im Umgang mit den Paragrafen des BGB und der VOB. Dagegen ist eine Vielzahl unserer Handwerkskollegen viel zu wenig gewappnet. Sie „verirren“ sich im „Gesetzes- und Vorschriftendschungel“ und verlieren aufgrund kleiner Fehler / durch unterlassenen, „lästigen Schriftkram“ vom Büro aus häufig viel Geld.
Das Handwerkszeug hierfür erhalten Handwerkskollegen in den SVD-Seminaren (nähere Infos zu Details unter www.svd-schneider.de > SVD > Vortragsdienst).

Maler Consult: In vor genannten Zusammenhang wird Generalunternehmern nicht selten unterstellt, dass ganz gezielt und nach einem betrieblich vorgegebenen Schema Handwerker in die Insolvenz getrieben werden sollen, um somit den eigenen Profit zu steigern. Haben Sie zu diesem heiklem Thema Erfahrungswerte und gibt es Warnhinweise die besondere Beachtung finden sollten?

Ralf Schneider: Ja, die habe ich. Warnhinweise sind u.a.: wenn Abschlagszahlungen nicht oder nur teilweise bezahlt werden, auf entsprechendes Nachfragen mit Mängelrügen geantwortet wird, sofortige schriftliche Aufforderung zur Nacherfüllung (Mängelbeseitigung) mit Fristsetzung und Ablehnungsandrohung folgen, Terminüberschreitung behauptet und mit Vertragskündigung gedroht, Inverzugssetzung ausgesprochen und Vertragskündigung zeitnah hinter geschoben wird etc.
Gegen solche Strategien richtig und nachweislich vorzugehen, ist heutzutage die überlebenswichtige Devise.

 

Vielen Dank für das Interview!

Dipl.Ing. Ralf Schneider, baugewerblicher Architekt, Maler- u. Lackierermeister ist bundesweit als Fach- Sachverständiger für Maler-, Putz- und Trockenbauarbeiten sowie als Referent für Sachverständigenweiterbildung und Baumanagementseminare im SVD-Sachverständigenvortragsdienst tätig. Als Autor von zahlreichen Beiträgen in der Fachpresse und Kommentator der DIN 18 363 „Maler- u. Lackierarbeiten“ im Beck’schen VOB/C-Kommentar ist er ebenfalls bundesweit als „Spezialist aus der Praxis für die Praxis“ anerkannt.

Ralf Schneider
Ralf Schneider

Maler Consult: Sie sind als Verfasser zahlreicher Fach- und Prüfungsbücher bei den Auszubildenden und Meisterschülern im Malerhandwerk ein viel Gelesener. Dem E-Learning bzw. Lernmethoden über das Medium Internet wird in Zukunft immer mehr an Bedeutung zugesprochen. Wie sehen Sie die Anwendbarkeit im Malerhandwerk bei den Meisterschülern bzw. gibt es in dieser Hinsicht schon Erkenntnisse?

Michael Bablick: Die Bedeutung des Internets wird auch in der Ausbildung zunehmen. Neben der unverzichtbaren und schnellen Informationsbeschaffung über das Internet wird es künftig auch möglich sein, sich das für die Meisterprüfung erforderliche Wissen über Fernlehrgänge und Internet zu beschaffen. Diese Arbeitsweise fordert von den Schülern größeres Engagement als es vergleichsweise in den herkömmlichen Meisterschulen erforderlich ist. Es fehlt auch der persönliche Bezug zwischen Schülern und Lehrern. Mit diesen Ausbildungsformen lässt sich aber viel Geld verdienen, besonders dann, wenn Leistung und Preis nicht übereinstimmen. Hier sehe ich eine große Gefahr. Es wird viele Abbrecher und enttäuschte junge Menschen geben.

Maler Consult: Die Qualität der Azubis und Meisterschüler, wird in den letzten Jahren immer häufiger bemängelt. Können Sie in Ihrer langjährigen Tätigkeit als Lehrer und Dozent die Entwicklung bestätigen? Und was sind die Hintergründe?

Michael Bablick: Die Qualität der Azubis und Meisterschüler wurde zu jeder Zeit bemängelt. Die Pisastudie ist in aller Munde. Die unzureichende Grundausbildung der jungen Menschen scheint international bestätigt. Über die Gründe dafür werden viele umfangreiche und teuere Studien angefertigt. Was sind die Gründe für die Veränderungen? Die Gesellschaft, die Menschen und ihre Interessen ändern sich. Die geringeren familiären Bindungen, verursacht durch die Tatsache, dass meist beide Elternteile berufstätig sind und häufig auch sein müssen, führen bereits in den Grundschulklassen nicht selten zu schulischen Problemen. Überfrachtete und überzogene Lehrpläne verursachen bereits in der 4. Klasse der Grundschule Misserlebnissen und Frust, den lernschwache Schüler in die Berufsausbildung mitnehmen. Dazu kommt die Einstellung der Gesellschaft, dass jede Leistung honoriert werden muss. An sich löblich und das Grundprinzip der Betriebswirtschaft, aber ein Todfeind des Lernens. Gleichzeitig bietet unsere Gesellschaft eine soziale Grundsicherung, die manchmal keine Leistung besser honoriert als Arbeit.

Maler Consult: Es soll in Kürze die zweijährige Ausbildung zum „Beschichter“ in der .Ausbildungsordnung verankert werden. Wertet sich das Malerhandwerk mit dieser wenig qualifizierten Ausbildung selbst ab?

Michael Bablick: Das Malerhandwerk braucht qualifizierte Mitarbeiter, allerdings mit unterschiedlichen Qualifikationen. Neben den Spezialisten für hochwertige Maler-, Tapezier- und Lackierarbeiten werden Mitarbeiter für die üblichen Beschichtungen, z. B. auf dem Neubau benötigt. Das Malerhandwerk führt mutig und realitätsbewußt die Stufenausbildung ein. Nach der zweijährigen Ausbildung kann nach einem weiteren Jahr Ausbildung die Gesellenprüfung im Maler- und Lackiererhandwerk abgelegt werden, eine Motivation für die guten Lehrlinge. Bislang hatte auch das Maler- und Lackiererhandwerk zahlreiche Auszubildende, die ihre Ausbildung nicht zu Ende führten. Deren Anzahl wird geringer werden und auch diese jungen Menschen erreichen einen Berufsabschluss.

Maler Consult: Die wirtschaftlich angespannte Situation und die ständig steigenden Insolvenzen im Malerhandwerk reißen offensichtlich nicht ab. Halten Sie es aufgrund dieser Situation für nötig die Schwerpunkte in der Meisterprüfung neu zu gewichten. D.h., dass hier betriebswirtschaftliche Komponenten noch mehr erforderlich sind und intensiver geprüft werden sollen?

Michael Bablick: Neue Rahmenlehrpläne und neue Prüfungsordnungen, wie im Maler- und Lackiererhandwerk gerade beschlossen oder doch zumindest auf dem Verordnungsweg tragen dieser Veränderung Rechnung. Durch handlungsorientiertes Lernen anhand von realen Kundenaufträgen werden auch die betriebswirtschaftlichen Komponenten stärker gewichtet. Ein moderner Meister muss Unternehmer sein, der seine Kunden aufgrund seiner fachlichen Kenntnisse und seines psychologischen Einfühlungsvermögens richtig berät, bei dem aber auch die Kalkulation stimmt. Oberste Ziele sind die Zufriedenheit der Kunden und eine erfolgreiche Betriebsführung.

Maler Consult: Können wir von Ihnen in Zukunft eine weitere Buchveröffentlichung erwarten und gibt es neue Sachverhalte über die Sie jetzt schon berichten können.

Michael Bablick: Der Erfolg meiner erst kürzlich in der DVA erschienen 2 Büchern mit Prüfungsfragen und den beiden im Bildungsverlag 1 erschienen Fachbüchern für die Berufsschulen und die Meisterschulen ermutigen mich zu weiteren Buchveröffentlichungen. Sinnvoll sind Nachfolgebücher für die beiden im Bildungsverlag 1 erschienen Bücher für die Berufsschule und die Meisterschule. Der Zeitaufwand dafür ist enorm, genau so groß ist der Reiz, etwas ganz neues zu schaffen.

Maler Consult: Welches Buch oder Bücher können Sie aktuell den Lernenden empfehlen und warum?

Michael Bablick: Als Autor erfolgreicher Fachbücher ist man versucht, die eigenen Bücher zu empfehlen. Dies mache ich nicht. Unverzichtbar für den Lernenden sind die Richtlinien, d. h. die VOB Teil C Teile, insbesondere die DIN 18363 „Maler und Lackierarbeiten sowie die BFS- Merkblätter“. Spezielle Fachbücher als Alternative zum „Fachwissen für den Maler und Lackierer“ für die fachtechnische Meisterausbildung gibt es nicht. Dieses Buch dürfte zwischenzeitlich zum meist gekauften Buch im Maler- und Lackiererhandwerk geworden sein. Für die Lehrlingsausbildung gibt es zwischenzeitlich einige gute Bücher. Schade ist nur, dass viele Autoren aufgrund mangelnder eigener Erfahrungen nur von anderen Büchern abschreiben. Man muss den Malerberuf schon „von der Picke auf“ gelernt haben, um ein fachlich gutes Buch zu schreiben, gutes Deutsch reicht hierfür nicht. Trotz der Vielzahl an Fachbüchern in diesem Bereich fehlt hier „der Knüller“.

 

Vielen Dank für das Interview!

Geboren 1947, lernte den Malerberuf „von der Pike auf“, begeisterter Fotograf und allem Schönen aufgeschlossen, besuchte 5 Semester lang die „Diplommeisterschule für das Deutsche Maler- und Lackiererhandwerk“, legte 1974 die Meisterprüfung im Maler und Lackiererhandwerk ab. Später folgten Lehrtätigkeiten an Berufsschule, Meisterschule und an der Fachschule für Farben- und Lacktechnik München, langjähriges Mitglied in Prüfungsausschüssen für die Gesellen- und Meisterprüfung und im Bildungsausschuss, Autor zahlreicher Buch- und Zeitschriftenpublikationen, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Maler- und Lackierarbeiten.

Michael Bablick
Michael Bablick

Maler Consult: Herr Dr. Murjahn, ein Ende der wirtschaftlich rückläufigen Situation in der Bauindustrie ist nicht in Sicht. Welche Auswirkungen hat dies auf Ihr Unternehmen, und wie positionieren Sie es für die Zukunft, sowohl national als auch international?

Dr. Murjahn: Auch an unserem Unternehmen ist die Wirtschaftskrise der letzten Jahre nicht spurlos vorübergegangen. Wir haben sie als Herausforderung verstanden und unter der Überschrift „Zukunftsplan DAW“ Maßnahmen zur Kostendegression und Effizienzsteigerung in allen Unternehmensbereichen auf den Weg gebracht. Ein wesentlicher Bestandteil dieses Reformpakets ist die Neuausrichtung unserer deutschen Vertriebsorganisation und eine engere und verbindlichere Zusammenarbeit mit unseren Vertriebspartnern im Großhandel. Wir sehen auf diese Weise große Chancen, trotz der veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in nächster Zukunft einen deutlichen Wachstums- und Ertragsschub zu generieren. Angesichts der seit Jahren negativen Baukonjunktur, einer sich nach wie vor weiter verschlechternden Wirtschaftssituation in Deutschland und dem damit einhergehenden verschärften Wettbewerb im Markt für Bautenanstrichmittel haben wir frühzeitig Anpassungmaßnahmen vorgenommen. Dadurch ist es uns gelungen, interne Geschäftsabläufe zu vereinfachen, Kosten zu senken und die Produktivität zu erhöhen. Kostensenkungsprogramme alleine reichen jedoch nicht aus, um in einem schwierigen Marktumfeld weiterhin erfolgreich zu sein. Die Caparol-Firmengruppe hat deshalb schon seit langem die Internationalisierung vorangetrieben und ist heute mit Produktionsgesellschaften in Österreich, Italien, Schweden und Frankreich sowie Vertriebsstützpunkten in der Schweiz, Holland, Belgien und fast allen osteuropäischen Ländern einschließlich Rußland vertreten. Diese Auslandsaktivitäten haben dazu geführt, Rückgänge im deutschen Markt zu kompensieren. In Deutschland haben wir als Marktführer eine nach wie vor starke Position, die wir trotz der momentan schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse in Zukunft weiter ausbauen wollen. Besonders große Chancen und überdurchschnittliche Wachstumsmöglichkeiten für unser Unternehmen sehen wir jedoch in den nächsten Jahren jenseits der deutschen Grenzen. Hier genießen wir als deutsches Traditionsunternehmen im Familienbesitz mit einer über 100jährigen Geschichte und als verläßlicher Partner heute schon hohes Ansehen.

Die Märkte im Ausland bieten Investoren allerdings nicht nur Wachstumschancen, sondern auch besondere Risiken. So haben wir bei der Expansion ins Ausland bisweilen auch Lehrgeld zahlen müssen. Heute gehört die Caparol-Firmengruppe mit ca. 750 Millionen Euro Umsatzvolumen zu den führenden Anbietern der Bautenanstrichmittelhersteller und ist damit zugleich das viertgrößte Unternehmen unserer Branche in Europa – nach den großen internationalen Konzernen Akzo, ICI und Sigma-Kalon. Von diesen großen internationalen Anbietern unterscheidet sich die Caparol-Gruppe durch ihre besondere Kultur als Privatunternehmen. Insgesamt sind an den verschiedenen Standorten ca. 4000 Mitarbeiter beschäftigt. Der Auslandsumsatz konnte in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigert werden. Sein Anteil am Gesamtumsatz der Caparol-Firmengruppe beträgt inzwischen rund 35 Prozent. Nachdem wir in Westeuropa gut aufgestellt sind, gilt unser besonderes Interesse den Märkten in Osteuropa und Asien. In der Türkei ist es uns gelungen, mit unserem Joint-venture-Partner und Lizenznehmer Betek eine dominante Rolle auf dem Gebiet der Bautenanstrichmittel einzunehmen. In mehreren osteuropäischen Wachstumsmärkten (u.a. Rumänien, Rußland) haben wir Produktionsstätten etabliert. Unser Produktionsstandort in Dubai bedient Kunden im arabischen Raum und in Afrika. In China haben wir jetzt zusätzlich zu dem bereits existierenden Jointventure von Alligator ein weiteres Caparol-Jointventure gegründet.

Grundsätzlich hat es sich in allen Märkten bewährt, sich auf die Stärken unseres Unternehmen zu konzentrieren. Die Caparol-Firmengruppe verdankt ihren Erfolg vor allem ihren Kernkompetenzen. So wird zuallererst im In- und Ausland immer wieder der hohe Qualitätsstandard der umweltfreundlichen und gesundheitlich unbedenklichen Caparol-Produkte geschätzt. Unsere Top-Qualitäten genießen entsprechend dem Motto „Von Caparol und deshalb gut“ als Farben der Spitzenklasse großes Renommee. Dieser Ruf ist in über 100 Jahren entstanden, und darauf sind wir stolz. Entwicklung und Anwendungstechnik besitzen bei Caparol schon immer einen hohen Stellenwert. Zum Ausdruck kommt diese technische Kompetenz in unserer Innovationsfähigkeit. Wir sind das Pionierunternehmen bei wasserverdünnbaren umweltfreundlichen Systemen. Caparol hatte sich schon vor Jahrzehnten das Ziel dieser Entwicklung mit der Philosophie gesetzt, emissionsminimierte und lösemittelfreie Werkstoffe herzustellen. Neben der Umweltproblematik ist der Gesundheitsaspekt von besonderer Bedeutung. Hier ist es gelungen, mit der jetzt patentierten Innenfarbe Caparol Sensitiv, der ersten Dispersionsfarbe ohne Konservierungsstoffe, einen neuen Qualitätsstandard zu setzen, um den Themen Ökologie und Gesundheitsbewußtsein den richtigen Stellenwert beizumessen. Mit dem Caparol-Clean-Concept® hat Caparol zudem die Ergebnisse eines mehrere Jahre dauernden Forschungsprojektes umgesetzt. Das Resultat sind besonders verschmutzungsresistente Fassadenbeschichtungen wie AmphiSilan, Thermosan und AmphiSilan-Putz, deren Einsatz sich überall dort empfiehlt, wo Verschmutzung ein besonderes Problem darstellt. Das spezielle Know-how von Caparol auf dem Gebiet der Bautenanstrichmittel und die Verbindung von Produkt- und Umweltqualität bringt unseren Kunden Wettbewerbsvorteile auf ihren nationalen Märkten.

Eine weitere herausragende Stärke der Caparol-Firmengruppe ist die Breite des Sortiments. Wir sind ein Komplettanbieter für alle Bedürfnisse des Malerhandwerks und den Schutz und die Verschönerung von Architektur. Zusammen mit dem Angebot der Großhandelsniederlassungen bieten wir damit u.a. dem deutschen Handwerk eine unerreichte Lösungskompetenz, die wir durch unsere professionelle technische Beratung und die Kundennähe unseres Außendienstes zusätzlich unterstützen.

Wir legen großen Wert auf die Nähe zu den Handwerkern, deren Innungen, Verbänden und Institutionen. Diese auch weiterhin zu pflegen ist uns ein wichtiges Anliegen.

Schließlich zeichnen wir uns durch unsere Gestaltungskompetenz aus: Das Angebot von Caparol an Materialien zur innovativen, kreativen und ästhetischen Gestaltung von Fassaden- und Innenräumen ist unübertroffen. Es beeindruckt Auftraggeber, Architekten und Handwerker gleichermaßen. Nicht nur das klassische Farben- und Lacksortiment mit seiner dekorativen Leistungsstärke, sondern auch Capapor-Fassadenprofile, Meldorfer Flachverblender, die Capatect-Naturstein-Leicht-fassade und extra leichte Capatect Lithoboard-Natursteinelemente für den Innenausbau sind Beispiele für diese Gestaltungskompetenz. Hinzu kommen umfangreiche Service-Einheiten wie das Farbdesign-Studio oder der Planerservice. Schon auf der Messe Farbe 2002 hat Caparol eine Gestaltungsvielfalt für Innenräume und Fassaden angeboten, die sich deutlich von der Konkurrenz abhob. Die Vielzahl von Produkten und Hilfsmitteln von der CD-ROM Caparol Spectrum und dem Farbharmoniefächer 3D-Concept bis hin zur 3D-Concept Box oder der Farbtonkarte CaparolColor sucht ihresgleichen.

Angesichts all dieser Stärken und Anstrengungen bin ich guter Hoffnung, daß es uns gelingen wird, trotz des konjunkturellen Gegenwinds unsere führende Marktstellung in Deutschland nicht nur zu behaupten, sondern auszubauen. Wir werden konsequent unser Fitneßprogramm weiterverfolgen und haben deshalb für die nächsten Jahre trotz des negativen konjunkturellen Umfeldes die Chance, in Deutschland und auf den Auslandsmärkten weitere Fortschritte zu machen. Wir sind zuversichtlich, aufgrund der durch die Strukturreformen der jüngsten Zeit geschaffenen, noch besseren Voraussetzungen auch in den nächsten Jahren unseren Erfolgskurs fortsetzen zu können. Es ist unser erklärtes Ziel, den gestreiften Caparol-Elefanten als Symbol für Qualität im In- und Ausland einen noch größeren Bekanntheitsgrad zu verschaffen.

Maler-Consult: Vor drei, vier Jahren ist in den Fachmedien der „Lotus-Effekt“ heftig diskutiert worden. Hat die Forschung diesbezüglich neue Erkenntnisse? Wie ist der heutige Stand?

Dr. Murjahn: Mit dem Caparol Clean Concept hat unsere Firmengruppe für die Fassade eine eigene Philosophie entwickelt. Die Verschmutzungstendenz eines Fassadenanstrichs ist – wie Sie zutreffend feststellen – seit Jahren von großem Interesse. Daher startete Caparol ein Forschungsprojekt, das alle Rezepturbestandteile unter die Lupe genommen und die besten Rohstoffe ermittelt hat, um besonders schmutzunempfindliche Anstrichmittel anbieten zu können. Nach jahrelangen Versuchsserien, gezielter Rohstoffauswahl und definierten Herstellungsverfahren wurden Werkstoffe entwickelt, die langfristig saubere Fassaden garantieren. Dabei setzt die Caparol-Forschung auch auf die Nanotechnologie. Durch das Verwenden definierter Pigment-Füllstoff-Kombinationen entstehen nanostrukturierte Oberflächen, die das Anhaften von Schmutzpartikeln reduzieren. Ein Verkleben von Schmutzpartikeln an der Oberfläche wird dadurch minimiert, daß auf thermoplastische oder hydroplastische Ausgangsstoffe verzichtet wurde. Organische Schmutzpartikel, die an der Oberfläche anhaften können, werden mit Hilfe von fotokatalytisch wirkenden Pigmenten abgebaut. Durch Siliconharzbindemittel mit niedriger Oberflächenspannung entsteht eine Kapillarhydrophobie, die zur Reduktion der Wasseraufnahme führt, ohne daß dadurch eine Sperre für den aus dem Inneren des Gebäudes entweichenden Wasserdampf entsteht. So können Fassaden schnell austrocknen und dauerhaft trocken bleiben. Das Caparol Clean Concept setzt also auf die Kapillarhydrophobie und nicht auf die Oberflächenhydrophobie, um die Verschmutzung von Fassaden möglichst gering zu halten. Ein zu starker Abperleffekt auf der Oberfläche führt nach unseren Beobachtungen zu Flecken und Schmutzläufern. Auf der Basis des Caparol Clean Conceptes sind bisher die Fassadenfarben Amphisilan und Thermosan sowie der Amphisilan-Fassadenputz rezeptiert. Wir setzen also nicht auf den Lotus-Effekt, sondern auf eine ganzheitliche Rezepturoptimierung.

Maler-Consult: Das hauseigene Schulungszentrum „Haus des Handwerks“ besteht nun seit fünf Jahren. Können Sie sagen, daß es sich als Zentrum der Kommunikation und Kreativität in der Maler-Szene etabliert hat? Und gibt es überhaupt vergleichbare Projekte in Deutschland?

Dr. Murjahn: Es gibt ein großes Bedürfnis bei unserer Kundschaft aus dem Handwerk nach Fortbildung und Schulung in modernen Verarbeitungsmethoden. Durch unser „Haus des Handwerks“ (HDH) haben wir optimale Rahmenbedingungen für diese wichtige Dienstleistung geschaffen. Jährlich finden weit über 100 Seminare statt, in denen wir in Theorie und Praxis auch die Anwendung gestaltungsrelevanter Werkstoffe thematisieren. Aufgrund der positiven Resonanz unser Kunden bin ich der Meinung, daß die bei der Eröffnung verkündete Zielsetzung, das „Haus des Handwerks“ zu einem „Zentrum der Kommunikation und Kreativität“ werden zu lassen, realisiert wurde. Das HDH gehört sicher in der Branche zu den architektonisch bemerkenswertesten Bauprojekten der vergangenen Jahre. Das starke Interesse unserer Kunden an den dort angebotenen Lehrveranstaltungen spricht sowohl für deren inhaltliche Qualität als auch das eindrucksvolle Ambiente im Schulungszentrum.

Maler-Consult: Laut Regierung soll es in Zukunft möglich sein, einen Handwerksbetrieb auch ohne Meisterbrief zu führen. Was halten Sie von der augenblicklichen „Meisterbrief-Debatte“? Wie bewerten Sie den Meisterbrief? Ist er tatsächlich ein „Muß“ für die Führung eines Handwerksbetriebes oder eher ein Marketing-Instrument?

Dr. Murjahn: Ich sehe mit Grausen, wie unsere Politiker einen unserer Standortvorteile ohne Not in Frage stellen bzw. abschaffen wollen. Eine weitere wirtschafts- und handwerksfeindliche Maßnahme, die, wenn sie wahr wird, uns noch tiefer in die Krise führt. Grundsätzlich sollte es den Meisterbrief als Voraussetzung weiter geben. Als Gütesiegel stellt er nicht nur hohes handwerkliches Können und Qualität sicher. Bei den Meisterkursen werden die Teilnehmer zudem mit weiteren Kenntnissen ausgestattet, die notwendig sind, einen Betrieb zu führen. Es gibt mit Sicherheit Gesellen, deren Qualität dem handwerklichen Können eines Meisters entspricht oder sogar überlegen ist. Doch sollten auch sie im Rahmen einer Qualifizierung mit den Grundkenntnissen der Betriebsführung vertraut gemacht werden. Der Meisterbrief dient natürlich auch dazu, die Qualität der Lehrlingsausbildung zu garantieren. Es muß sicher sein, daß sie sich auf hohem Niveau bewegt.

Maler-Consult: Kürzlich sind Sie zum Vizepräsidenten des Verbandes der deutschen Lackindustrie (VdL) gewählt worden. Mit welchen Aufgaben ist Ihr Amt verbunden?

Dr. Murjahn: Die Interessen der Lieferindustrie und des Handwerks auch in diesen Gremien angemessen zu vertreten.

 

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Dr. Klaus Murjahn ist Firmenchef der seit 1895 bestehenden Unternehmensgruppe Deutsche Amphibolin-Werke, die dem Verarbeiter unter dem Namen Caparol besser bekannt ist. Europaweit zählt das Unternehmen zu den ersten Adressen der Farben- und Lackanbieter. Die Firmengruppe erzielt international ein Umsatzvolumen von 750 Millionen Euro. An 14 Produktionsstandorten im In- und Ausland sind insgesamt rund 4000 Mitarbeiter beschäftigt, davon 1400 am Sitz der Zentrale im hessischen Ober-Ramstadt.

Dr. Klaus Murjahn
Dr. Klaus Murjahn

Maler Consult: Der „4. Zukunftstag im Handwerk“ in Augsburg ist kürzlich zu Ende gegangen. Was hat Sie dort am meisten beeindruckt? Und warum?

Ulrich Schweizer: Am meisten beeindruckt – seine Kontinuität. Bereits zum vierten Mal fand er statt und ist inzwischen schon gute Tradition. Aber: Wie die meisten Veranstaltungen hatte er auch einen Teilnehmerrückgang zu verzeichnen, was mich ebenfalls beeindruckte – negativ allerdings! Das Malerblatt und die anderen Partner müssen mit Dr. Bernd W. Dornach und seinem Team die „Hausaufgaben“ machen und wieder den Pioniergeist beleben, der über den früheren Zukunftstagen deutlich zu spüren war.

Maler Consult: Laut Regierung soll es in Zukunft möglich sein, einen Handwerksbetrieb auch ohne Meisterbrief zu führen. Was halten Sie von der augenblicklichen „Meisterbrief-Debatte“?

Ulrich Schweizer: Die Debatte wird natürlich seitens des Handwerks sehr emotional geführt – verständlich! Das wird jedoch nur wenige Politiker beeindrucken. Und deshalb ist es wohl ein Kampf gegen Windmühlenflügel. Als „Muss“ für die Führung eines Handwerksbetriebes wird er fallen. Und trotzdem bleibt er wichtig: als Profilierungs- und Marketing-Instrument für die Guten. Die Schulen werden gut daran tun, Teile der Meisterausbildung dann zu modifizieren. Eine Unterrichts-Einheit muss auch sein, wie der Meisterbrief später „vermarktet“ und bei der Auftrags-Gewinnung eingesetzt werden kann …

Maler Consult: Überall wird Pessimismus verbreitet. Was raten Sie dem Malerbetrieb, um der Konjunkturflaute zu trotzen?

Ulrich Schweizer: Pessimismus ist ein schlechter Ratgeber – doch ist das vom Schreibtisch aus einfach dahergesagt. Wenn die allgemeine Konjunktur nichts mehr taugt, muss an einer individuellen, betrieblichen Konjunktur gearbeitet werden. Mit Hilfe des im Handwerk so ungeliebten Marketing oder zumindest einiger Marketing-Bausteine. Hilfreich: externe Berater und Dienstleister mit genau definierten Aufgaben betrauen.

Maler Consult: Das Malerblatt schreibt gemeinsam mit Caparol den „Maler-Marketing-Preis“ aus. Zeichnet sich hinsichtlich der Resonanz des mit 10.000 Euro dotierten Preises schon ein Trend ab?

Ulrich Schweizer: Klarer Trend: Die Inhaber der eher kleinen Betriebe stellen ihr Licht unter den Scheffel. Manche machen sehr gute Aktionen, reichen die aber nicht ein, sondern fragen bescheiden vorab an, ob „so etwas“ auch eingesandt werden kann. Bislang liegt deshalb erst wenig auf dem Tisch, ist aber telefonisch angekündigt! Da drücke ich uns selber die Daumen, dass alles kommen wird, was avisiert wurde.

Maler Consult: Im Zuge der Aktion „Mittelstand macht mobil“ formulierte der Präsident des Zentralverbandes des deutschen Handwerks (ZDH), Dieter Philipp, die Forderungen des Mittelstandes an die Opposition. Welche Maßnahmen sind Ihrer Meinung nach zwingend und am wirkungsvollsten zur Entlastung des Mittelstandes und insb. für das Handwerk?

Ulrich Schweizer: Ich muss hier etwas ketzerisch antworten. Was das Handwerk braucht, deuten die Abläufe aus dem einzigen boomenden Segment an, diejenigen aus der Schwarzarbeit: Arbeit anschauen, mündlich Technik und Preis vereinbaren, Arbeit ausführen, Geld bar entgegen nehmen. Solch einfache Mechanismen würden auch dem „offiziellen, legalen Handwerk“ sehr helfen. Weniger Gesetze, weniger Vorschriften wären hilfreich, was bei der Aktion „Mittelstand macht mobil“ ja „mehr Freiheit durch weniger Bürokratie“ heißt, genauso wie die andern vom ZDH mit formulierten Forderungen ebenfalls hilfreich wären: gerechte Steuerreform, mehr Eigenverantwortung, eine neue Politik.

Maler Consult: Was war oder ist Ihre beruflich größte Herausforderung als Chefredakteur des Malerblattes?

Ulrich Schweizer: Eine riesige Herausforderung als einzelne, längerfristige Aktion war es, vor, während und nach der Novellierung der Handwerksordnung zuerst in einer Stuckateur-Zeitschrift, dann im Malerblatt auf die Chancen der Novellierung für die verwandten Gewerke hinzuweisen, wofür ich eine Menge Prügel einsteckte – und insgesamt nur mäßigen Erfolg hatte. Manche halten die „Gewerke-Feindschaft“ heute noch hoch, einige davon einfach deshalb, weil ein solcher „Feind“ definierbar ist, konkret beschrieben und somit für eine Misere verantwortlich gemacht werden kann. Die noch größere Herausforderung ist allerdings eine permanente und höchst dynamische: je nach wirtschaftlicher Lage auf eine andere Art zu vermitteln, dass im Handwerk zukünftig nichts mehr sein wird wie es war und dass sich die Betriebe wappnen müssen – durch Fortbildung, bessere Qualität, mehr Service, gute Kommunikation und visionäres Marketing.

 

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Geboren 1955 in Grötzingen, Lkr. Esslingen. Studierter Betriebswirt, begeisterter Kaffeehausgänger und Frankreichfan. Heute ist Ulrich Schweizer, nach Stationen als Marketingleiter eines kleinen Versandhauses, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit eines großen Handwerks-Unternehmens und Chefredakteur der Stuckateur- und Trockenbauer-Fachzeitschrift (heute „ausbau + fassade“), seit November 1995 Chefredakteur des „Malerblatt“ mit Sitz in Stuttgart.

Ulrich Schweizer